Sequenz

Ausweitung des Rufes vor dem Evangelium im Wortgottesdienstteil der Messe an bestimmten Tagen. Das Graduale Romanum kennt fünf Sequenzen, davon sind aber nur die ersten beiden an Ostern und Pfingsten vorgeschrieben (Allgemeine Einführung in das Römische Messbuch 40):

  • Ostersonntag: Victimae paschali laudes… (Singt das Lob dem Osterlamme …)
  • Pfingstsonntag: Veni Sancte Spiritus… (Komm herab, o Heil’ger Geist …)
  • Fronleichnam: Lauda Sion Salvatorem… (Deinem Heiland … Sion, stimm ein Loblied an)
  • Gedächtnis der Schmerzen Mariens (15. 09.): Stabat Mater dolorosa… (Christi Mutter stand mit Schmerzen …)
  • Hl. Benedikt (11. 07.): Laeta dies magni ducis… (Froher Tag des hehren Meisters [Benedikt])

Zu Pfingsten tauchte bei uns die Frage nach dem Umgang mit den Sequenzen auf. Bis jetzt haben wir sie immer ignoriert. Welchen Ursprung haben eigentlich die Sequenzen? Sind sie vorgeschrieben, oder können sie auch weggelassen werden? M. T.

Die Sequenzen sind im Mittelalter aus dem Halleluja entstanden. Zunächst war die Sequenz (lat. sequentia = Fortsetzung, Folge) die wortlose Jubilus-Melodienfolge auf dem Schluss-a des Wortes Halleluja. Später wurden den Melodien Texte unterlegt (jede Note eine Silbe). Es entstanden Tausende solcher Sequenzen - ein Ausdruck germanischer Frömmigkeit. Das tridentinische Messbuch übernahm davon nur noch jene für Ostern, Pfingsten, Fronleichnam und das „Dies irae“ zur Messe für Verstorbene, später kam dazu noch das Stabat mater am Fest der sieben Schmerzen Marias. Heute sind noch die Sequenz an Ostern und Pfingstsonntag vorgeschrieben. An Fronleichnam und Sieben Schmerzen Marias ist die Sequenz fakultativ, das „Dies irae“ ist in das Stundengebet gewandert. Die noch erhaltenen Sequenzen sind Kunstwerke, die geistlich den Festgedanken hervorheben. Die Sequenz steht nach der Zweiten Lesung vor dem Halleluja mit seinem Vers; sie kann auch nach dem Vers genommen werden. Weil sie mit ihrer Länge zwischen Lesung und Evangelium eventuell als Belastung empfunden wird, empfiehlt sich u. U. die Verlegung an eine andere Stelle, z. B. während der Gabenbereitung.

Eduard Nagel