Marianische Antiphonen

Antiphonen sind Verse, die beim Stundengebet einen Psalm umrahmen, um beim Beter zu dessen christologischem Verständnis und seiner theologischen Einordnung beizutragen. Im Laufe der Zeit wird der Begriff auch auf Chorstücke und Lieder ohne Psalm übertragen. Das Stundengebet wird jeden Tag nach der letzten (abendlichen) Hore, in der Regel nach der Komplet, gelegentlich auch stattdessen nach der Vesper, mit einer Marianischen Schlussantiphon beendet. Die Allgemeine Einführung in das Stundengebet (=AES) 92 sagt: "Zum Abschluss folgt eine der Marianischen Antiphonen, zur Osterzeit immer das »Regina caeli«. Die Bischofskonferenzen können darüber hinaus andere Antiphonen zulassen." Dieser Brauch rührt aus der Vorstellung, Maria zur selben Zeit zu grüßen, als der Engel Gabriel sie gegrüßt hatte: "Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir" (Lk 1, 28).

Bis zur Reform des Stundengebets wurde immer das Salve Regina angestimmt, außer zur Weihnachtszeit (Alma Redemptoris Mater), von Lichtmess bis Gründonnerstag (Ave Regina coelorum) und zur Osterzeit (Regina coeli). Gemäß AES 92 können jetzt außerhalb der Osterzeit auch andere Marianische Antiphonen verwendet werden.

"Salve, Regina, mater misericordiae; vita, dulcedo et spes nostra, salve. Ad te clamamus, exsules filii Evae. Ad te suspiramus, gementes et flentes in hac lacrimarum valle. Eia ergo, advocata nostra, illos tuos misericordes oculos ad nos converte. Et Iesum, benedictum fructum ventris tui, nobis post hoc exsilium ostende. O clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria."

"Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit, unser Leben, unsere Wonne und unsere Hoffnung, sei gegrüßt. Zu dir rufen wir verbannte Kinder Evas; zu dir seufzen wir trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen. Wohlan denn, unsere Fürsprecherin, wende deine barmherzigen Augen uns zu, und nach diesem Elend zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria!"