Lesehore

Die Lesehore ist eine Gebetszeit des katholischen Stundengebets, die besonders der Betrachtung der Heiligen Schrift und geistlichen Vertiefung dient. Der Name verbindet das Wort „Lesung“ mit dem lateinischen hora („Stunde“, Gebetszeit). Gemeint ist also die „Gebetsstunde der Lesungen“. Sie trat nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil an die Stelle der früheren Matutin, des nächtliches Stundengebets. Während die Matutin stärker vom nächtlichen Psalmgebet geprägt war, legt die Lesehore den Schwerpunkt deutlicher auf das Hören und Bedenken von Lesungen.

Kennzeichnend für die Lesehore sind zwei größere Lesungen: eine biblische Lesung mit Responsorium sowie eine zweite Lesung aus der kirchlichen Tradition. Diese stammt häufig von Kirchenvätern, Heiligen oder bedeutenden geistlichen Autorinnen und Autoren. Auch neuere Texte mit besonderer geistlicher oder theologischer Bedeutung können verwendet werden. So verbindet die Lesehore das Wort Gottes mit dem Glaubenszeugnis der Kirche durch die Jahrhunderte.

Im Unterschied zu vielen anderen Gebetszeiten ist die Lesehore nicht an eine bestimmte Tageszeit gebunden und kann morgens, tagsüber oder nachts gebetet werden. In Klöstern und Gemeinschaften bewahrt sie oft noch den Charakter eines nächtlichen Gotteslobes. An Sonn- und Festtagen kann sie feierlich erweitert werden, etwa durch zusätzliche Gesänge, das Te Deum und ein Schlussgebet. Damit steht die Lesehore in der Tradition der alten Vigilfeiern und lädt zu geistlicher Sammlung, Besinnung und Wachsamkeit ein.

Manuel Uder, Trier

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