Leitung von Gottesdiensten

Die Leitung, lat. praesidere (= vorsitzen), praesidium (= Vorsitz), eines Gottesdienstes geschieht durch dazu beauftragte Personen. Die Eucharistie muss von einem Priester oder Bischof geleitet werden. Häufig wird für den Vorsteherdienst des Priesters das Wort "Zelebrant", lat. celebrare (= feiern), verwendet.

Der Eucharistiefeier können auch mehrere Bischöfe und/oder Priester vorstehen, die in diesem Fall "Konzelebranten" genannt werden. Den Vorsitz bei der Spendung des Taufsakramentes und bei der Trauung können auch Diakone übernehmen. Andere sakramentale Feiern und Sakramentalien wie Beerdigungen können auch von beauftragten Laien (z.B. Pastoral- und Gemeindereferent/innen) geleitet werden. Feiern der Tagzeitenliturgie, also des Stundengebetes, sowie Andachten können gegebenenfalls ohne beauftragten Leiter stattfinden.

Laien nehmen bei der Leitung von Gottesdiensten nicht auf dem Priestersitz Platz. Wohl aber wird für den Vortrag von Schriftlesungen der Ambo verwendet. Für Laien, die einen Gemeindegottesdienst, z.B. eine Wort-Gottes-Feier oder eine Beerdigung leiten, ist es sinnvoll, liturgische Kleidung zu tragen, um dadurch die Feierlichkeit des Gottesdienstes zu unterstreichen. Die liturgische Kleidung muss sich vom Gewand des Priesters und des Diakons unterscheiden.

Wir sind als Gemeinde neu mit fünf anderen in einer Seelsorgeeinheit zusammen. Jetzt wurde erstmals die Frage der Fronleichnamsprozession angesprochen. Ein Vorschlag ist: Der Priester hält die Messe, aber die Prozession leitet dann ein Laie, während der Priester zur nächsten Messe weiterfährt. Ist das so OK? A. G.

Diese Art Arbeitsteilung wird in der Rahmenordnung für die Zusammenarbeit von Priestern, Diakonen und Laien im Bereich der Liturgie „Zum gemeinsamen Dienst berufen“ (Die deutschen Bischöfe 62), Nr. 50, ausdrücklich ausgeschlossen. Das wird auch begründet: „Eine eucharistische Prozession ohne ordinierten Vorsteher ist wegen des Wegfalls des Segens nicht möglich.“ Und vorher heißt es: „Wegen der engen Verbindung einer eucharistischen Prozession mit der Messfeier und der mit ihr verbundenen Erteilung des sakramentalen Segens kommt es dem Priester oder Diakon zu, das Allerheiligste in einer eucharistischen Prozession, namentlich in der Fronleichnamsprozession, zu tragen.“ Es geht also bei der Fronleichnamsprozession nicht einfach darum, den Herrn in der Gestalt des Brotes durch die Gemeinde zu tragen, sondern der eucharistische Segen ist ein wesentlicher Teil, auf den nicht verzichtet werden kann. Eucharistiefeier, Prozession und Segen bilden eine Einheit, so dass nicht einfach die Leitung übergeben werden kann. Der Priester ist der Vorsteher der gesamten Feier; es wäre unwürdig, seinen Dienst auf die Konsekrationsvollmacht zu beschränken.

Eduard Nagel

Nachdem bei uns mehrere Frauen und Männer einen Kurs zur Leitung von Wort-Gottes-Feiern gemacht und die Beauftragung dazu erhalten haben, hat sich eine gewisse Spannung aufgebaut zwischen diesen Personen und jenen, die seit langem regelmäßig beim Rosenkranz und bei einfachen Andachten im Mai, im Advent und in der Fastenzeit vorbeten.
Die neu Ausgebildeten möchten mit dem, was sie gelernt haben, nicht nur bei den bisher nur ausnahmsweise und selten notwendigen Wort-Gottes-Feiern tätig werden, sondern auch an Werktagen. Sie möchten auch neue Formen einführen und dazu die Zeiten nützen, an denen schon bisher Menschen zur Kirche kommen.
Die „Alten" wollen sich ihr „Amt" nicht nehmen lassen und auch an den bisherigen Formen festhalten. Im Mai gab es einen richtigen Streit um eine traditionell gut besuchte Maiandacht, und jetzt verhärten sich die Fronten. Können Sie uns einen Rat geben?

Zweifellos ist zunächst jede Gemeinde zu beneiden, in der es mehr Menschen gibt, die einen Beitrag zum gottesdienstlichen Leben leisten wollen, als scheinbar gebraucht werden. Und das Problem ist sicher nicht durch eine allgemeine Regel zu lösen, sondern durch Vermittlung zwischen den betreffenden Personen. Aber es gibt doch ein paar Aspekte, die helfen können:

  • Das gemeinsame Ziel sehen, das die „Neuen" und die „Alten" verbindet: die Pflege gemeinschaftlichen Betens und Feierns.
  • Gegenseitige Wertschätzung kann gefördert werden, wenn beide Gruppen Gelegenheit haben, in Ruhe und ohne unterbrochen zu werden einfach vor den anderen darzustellen, was sie möchten und warum sie eine bestimmte Form wählen. Dabei sollen lediglich Rückfragen möglich sein, wenn etwas nicht verstanden wird. Keinesfalls soll eine Diskussion darüber geführt werden, was besser oder weniger gut ist.
  • Offensichtlich sind die neu „Beauftragten" und die bisherigen „Vorbeter/innen" nicht identisch. Sie haben darum wahrscheinlich auch ein etwas anderes „Umfeld". Mit ihren Vorstellungen und Möglichkeiten können die „Neuen" vielleicht Menschen erreichen, die nicht zu den traditionellen Andachten kommen. Während an den Andachten vielleicht eher Ältere teilnehmen, könnte man Angebote für ganz andere Gruppen machen: ein monatliches/wöchentliches Gebet am frühen Abend mit Familien mit (kleineren) Kindern, eine regelmäßige Frühschicht/Laudes mit „Ü-30ern", eine ökumenische Vesper für gemischt-konfessionelle Paare, einen Singles-Gebetstreff am Freitagabend, … Die Ausbildung der Beauftragten vermittelt Kenntnisse im Umgang mit Texten, mit Musik und Gesang, in der Verwendung von Symbolen und Zeichenhandlungen, die es erlauben, auf ganz unterschiedliche Bedürfnisse einzugehen.
  • Hilfreich für eine klare Zielgruppenorientierung ist neben der inhaltlichen Ausrichtung die Bestimmung der Form und der Struktur der Feier, die Auswahl von Elementen (auch Stille!) und der Zeitansatz.
  • Zum gegenseitigen Verständnis und zu einer guten Atmosphäre zwischen Gruppen trägt kaum etwas anderes so sehr bei wie die gegenseitige Einladung und das Annehmen dieser Einladung.
  • Wenn neue Formen gewachsen sind, kann es bei besonderen Gelegenheiten - z. B. bei der oben genannten Maiandacht - zu einem gemeinsamen Handeln und zu gegenseitiger Bereicherung kommen.

Eduard Nagel

Wegen der Zusammenlegung unserer zwei Gemeinden mit drei weiteren werden künftig die traditionellen Bußgottesdienste vor Allerheiligen, im Advent und in der Fastenzeit nur noch von Laien geleitet.. Jetzt gibt es Leute, die sagen, dass sie dann nicht mehr kommen, weil das ja nicht „gelte". Was kann man dazu sagen?

Auch wenn ein Priester einen Bußgottesdienst leitet, gibt es keine sakramentale Lossprechung, außer wenn mit ihm die Einzelbeichte verbunden wird. Das beutet: Vergebung und Versöhnung geschieht aufgrund der persönlichen Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld, der Reue sowie des fürbittenden Gebets füreinander, das insbesondere im Gebet des Leiters / der Leiterin ausgesprochen wird. Entscheidend ist also das innere Engagement und die Andacht der Beteiligten, unabhängig davon, welchen Stand jemand in der Kirche hat: ob er Priester, Diakon oder einfacher Laie ist. Frauen und Männer, die als Laien Gottesdienste leiten, versehen ihre Aufgabe in der Regel mit sehr großem Ernst und aus ganzem Herzen. Sie wissen, dass ihnen etwas Großes anvertraut ist, wenn sie im Namen ihrer Schwestern und Brüder ein Gebet sprechen oder wenn sie ihnen Gottes heilendes Wort zusprechen dürfen. Darum ist ein solcher Gottesdienst sicher nicht weniger wert als einer, der von einem Amtsträger geleitet wird. Hinzuweisen ist aber vor allem auch darauf, dass es von jedem und jeder Einzelnen selbst abhängt, ob und wieweit er oder sie sich mit Gott versöhnt bzw. sich von ihm versöhnen lässt.

Eduard Nagel

In der Eucharistiefeier spricht der Priester an mehreren Stellen die Gläubigen mit den Worten „Der Herr sei mit euch“ oder mit einer anderen Formel an, auf die die Gemeinde antwortet: „Und mit deinem Geiste.“ Warum dürfen wir als beauftragte Leiter einer Wort-Gottes-Feier die Gemeinde nicht mit dem gleichen Gruß ansprechen? B.W.

Es ist richtig: Die Grußformeln in der Liturgie, die von der Gemeinde mit „Und mit deinem Geiste“ beantwortet werden, sind den Amtsträgern Bischof, Priester, Diakon vorbehalten. Das ist nicht nur in der römisch-katholischen und in der altkatholischen Kirche so, sondern auch in den Kirchen des Ostens und in den meisten Kirchen der Reformation. Der Gruß zeigt an, dass der, der ihn ausspricht, jetzt nicht einfach in eigener Vollmacht handelt, sondern im Vorsteherdienst, zu dem er durch die in der Ordination empfangene Geistgabe ermächtigt ist. Das ist auch der Grund, warum die Gemeinde auf den Gruß nicht einfach mit den Worten „Und auch mit dir“ antwortet, sondern mit „Et cum spiritu tuo“ - „Und mit deinem Geiste“.

Es ist schade, dass dieser Zusammenhang wenig bekannt ist, denn wer ihn einmal erkannt hat, wird immer, wenn er einen solchen Gruß hört, daran erinnert, dass in der Liturgie etwas geschieht, das über unser eigenes Vermögen hinausweist. Dem Bischof, Priester und Diakon macht es bewusst, in wessen Auftrag er handeln darf, und den Gläubigen, dass das Wort unabhängig von Sympathien oder persönlichem Engagement seine Kraft hat.

Eduard Nagel