Mit Haltung über jedes Hindernis
Julia Krajewski ist die erste Frau, die im Vielseitigkeitssport olympisches Gold gewonnen hat. In diesem Buch gibt die Reitsportlerin tiefe Einblicke in die Höhen und vor allem die Tiefen, die sie auf dem Weg zu diesem Erfolg bewältigen musste. Vom Dopingskandal über gefährliche Stürze bis hin zu scharfer Kritik und mentalen Hürden – Julia hat all das durchlebt. Sie öffnet den Vorhang und teilt persönliche Einblicke in ihr Leben als Profisportlerin in einer Disziplin, in der Männer und Frauen gegeneinander antreten. Ein Sport, in dem Ruhm und Reichtum eine Rolle spielen, aber in dem es für Julia Krajewski vor allem darum geht, täglich 1000 Prozent für ihren Partner Pferd zu geben.
Das Buch zeigt, wie Talent, unermüdlicher Wille und die Liebe für die Pferde Julias Schlüssel zum Erfolg wurden. Es ist ein ehrlicher, emotionaler Blick hinter die Kulissen, der nicht nur Fans des Reitsports, sondern auch alle anspricht, die nach Motivation suchen oder nicht wissen, wie sie mit den Schattenseiten ihrer Leidenschaft umgehen sollen. Julias Geschichte zeigt, warum es sich lohnt zu kämpfen, wie wir unsere Passion bewahren und dabei wertvolle Lebenslektionen lernen können.
Julia Krajewski im Interview
Julia, du hast ein Buch über deinen Weg im Spitzensport geschrieben, welche wichtigen Erfahrungen möchtest du mit deinen Leser:innen teilen?
Das Buch beschreibt meine sportliche Karriere, mein Leben mit den Pferden und was es heißt, Spitzensportlerin und gleichzeitig Pferdemensch zu sein. Es nimmt den Leser mit auf meinen Weg, der durch viele Höhen und Tiefen führte, und zeigt, wie mich das mental geprägt hat und welche Konsequenzen ich daraus gezogen habe.
Du sprichst im Buch auch offen über Niederlagen und Tiefschläge. Was kann man aus ihnen lernen – vielleicht sogar besser als aus Erfolgen?
Ich denke, Rückschläge oder Niederlagen gehören zu jeder sportlichen Karriere dazu – genauso wie zum normalen Leben. Rückblickend sind es meistens die schwierigen Zeiten, die einen stärker machen, wenn man es schafft, eine Situation ehrlich zu reflektieren und positiv und konstruktiv in die Zukunft zu blicken. So entsteht aus jedem Misserfolg etwas Besseres, oder man lernt zumindest sich selbst besser kennen und weiß, dass auch wieder andere Zeiten kommen werden. Außerdem lernt man, Erfolge oder Höhepunkte noch mehr wertzuschätzen – und dass man oft stärker ist, als man glaubt.
Deine Karriere hatte einen sensationellen Höhepunkt mit deinem Olympiasieg in Tokio, bei dem du als erste Frau im Einzel-Vielseitigkeitswettbewerb Gold gewannst. Hat dieser Sieg dich verändert?
Ich sage mal Ja und Nein. Natürlich ist es der Traum jedes Sportlers, an den Olympischen Spielen teilzunehmen und sogar noch Gold zu gewinnen. Das hat mich mit sehr großer Dankbarkeit erfüllt. Es bringt auch neue Möglichkeiten mit sich, eine andere Vorbildfunktion und das Streben nach anderen oder neuen Zielen. Gleichzeitig ist es nicht das Einzige, was im Leben passiert, es ist nur ein Teil von vielen tollen Erfolgen und großartigen Momenten, die ich im Sport mit meinen Pferden oder im Leben erfahren durfte. Aber es ist natürlich ein sehr, sehr besonderer Moment, den ich nie, nie vergessen werde. Von daher würde ich sagen: Ja, es hat mich persönlich verändert. Es hat mich ruhiger gemacht und hat mir Sicherheit und Zufriedenheit gegeben zu wissen, dass ich es tatsächlich geschafft habe, so etwas zu erreichen.
Hast du eine Botschaft oder einen Rat für Leser:innen, die auch ein großes Ziel verfolgen und vielleicht Angst haben zu scheitern?
Wenn man sich ein großes Ziel setzt, ist es ganz normal, dass man Angst hat zu versagen. Ich denke, dass man sich darüber im Klaren sein muss, dass es passieren kann, dass man ein Ziel nicht erreicht. Ich versuche immer, mir ein realistisches Ziel zu setzen. Dann lege ich das Ziel beiseite und setze mir kleine Zwischenziele. Dabei weiß ich, dass das Erreichen jedes kleinen Ziels ein Erfolg ist. Und wenn ich das große Ziel dann nicht erreiche, weiß ich: Ich habe alles dafür getan. Wenn es dann nicht funktioniert, ist es normal. Das kann passieren. Dann sortiere ich mich neu, analysiere, woran es gelegen hat, und schaue, welches Ziel ich als nächstes angehe. Ich denke, an einem Ziel zu scheitern ist immer besser, als sich kein Ziel gesteckt zu haben.
Sprechen wir über die Pferde: In deinem Sport arbeiten nicht nur die Reiter hart, sondern auch die Pferde. Was ist deine Aufgabe dabei?
Mein Leben und mein ganzer Alltag drehen sich um Pferde. Das Pferd ist mein Sportpartner. Dabei sehe ich mich an erster Stelle dafür verantwortlich, dass ich dem Pferd ein Leben und eine Aufgabe gebe, die für das Pferd passen. Wenn das Sport ist, ist es meine Aufgabe, das Pferd so zu versorgen, auszubilden und zu trainieren, dass es meine Erwartungen auch erfüllen kann. Dabei geht es darum, den Sport und ein gutes, pferdegerechtes Leben abzuwägen. Wir Reiter sind ohne unsere Pferde einfach nichts. Die Pferde ermöglichen es uns, unserem Sport oder unserem Hobby nachzugehen. Deshalb steht die Verantwortung, die wir tragen, für mich an erster Stelle.
Um Olympiagold zu erreichen, müssen Reiterin und Pferd ein perfektes Team sein. Wie entsteht diese intensive Verbindung und Zusammenarbeit?
Eine meiner großen Leidenschaften ist es ja, Pferde auszubilden. Die meisten meiner Pferde habe ich recht jung bekommen, zu Beginn ihrer Karriere. Ich habe mit ihnen ihre ersten Geländesprünge gemacht, manche auch selbst angeritten. Wir haben es sozusagen gemeinsam von der Krabbelgruppe über Kindergarten und Grundschule bis an die Uni geschafft. Da entsteht natürlich ein absolutes Vertrauen, was gerade in unserer Disziplin mit dem Geländeritt wichtig ist und der entscheidende Punkt dafür, dass man so etwas wie einen Olympiasieg überhaupt gemeinsam absolvieren kann. Ein solcher Sieg zeigt, dass der Reiter es geschafft hat, mit dem Pferd so eine gute Vertrauensbasis aufzubauen, dass das Pferd ihm in solchen besonderen Situationen vertraut oder sogar Sicherheit gibt. Das Gefühl hatte ich bei meiner Stute in Tokio, sie hat am letzten Tag im Parcours so viel Sicherheit und Ruhe ausgestrahlt, dass ich wusste, heute kann es funktionieren.
Und zum Schluss: Was hast du von den Pferden gelernt, das man von Menschen nicht lernen kann?
Ich finde, von Pferden kann man vor allem sehr, sehr viel Geduld lernen. Pferde bewerten den Menschen nicht. Pferde machen auch nichts mit Absicht oder kalkuliert, sie agieren oder reagieren aus dem heraus, was ich ihnen beigebracht habe oder was sie anderswo erlernt haben oder was ihrem Instinkt entspricht. Pferde spiegeln sehr klar und geben einem das zurück, was ich ihnen gebe – das macht die Arbeit mit Pferden für mich sehr befriedigend. Und wenn ich dann merke, dass ein Pferd seine Aufgabe gerne macht und dann auch noch mit mir kämpft und mir sogar auch einer schwierigen Situation heraushilft, ist das eine unheimlich schöne Belohnung. Die Kommunikation mit Pferden ist vergleichsweise straight, weil es eine sehr direkte Kommunikation ist. Der Umgang mit den Menschen ist da manchmal komplizierter.