Christentum fürs Heute gelesenEin Mittel für das Leben

Für die emotionale Befriedigung frommer Seelen eigne sich das Christentum nicht, resümiert Wolfgang Beinert am Ende seines neuesten Buches. Es sei auch keine „Freizeitbeschäftigung zwecks Pflege von Emotionen“. Stattdessen sei das Christentum ein Weg zur volleren Erkenntnis der Wirklichkeit. Den Grundansatz des christlichen Glaubens, von dem aus alles konsequent zu durchdenken sei, sieht er in der Aussage „Gott ist Liebe“. Beinert nimmt sie ernst, indem er zuvor auf 300 Seiten entfaltet, warum das Christentum – auch unter steter Bezugnahme seiner Schattenseiten und Unheilsgeschichte – heute immer noch „Lebens-Mittel“ ist oder zumindest sein kann.

Der emeritierte Regensburger Dogmatik-Professor begibt sich auf einen Ritt durch die Grundlagen christlichen Glaubens. Dabei nimmt er nicht in Anspruch, eine groß angelegte und vollständige Dogmatik vorzulegen. Die einzelnen Kapitel – etwa zur grundsätzlichen Gottes- und Glaubensfrage, zur Schöpfung, Jesus Christus und der Kirche, aber auch zu Hoffnung und Angst – sollen vielmehr als „Appetithappen“ für weitere Auseinandersetzungen dienen.

Das Buch ist unter anderem nach einer Veranstaltung mit Schülerinnen und Schülern und deren Fragen entstanden. Der Duktus ist stets darauf ausgerichtet, die Aussagen allgemein verständlich zu formulieren. Einzelne Vergleiche zur heutigen Lebenswelt, mit denen Beinert seine theologischen Einsichten zu unterstreichen versucht, geraten ab und an etwas schief. Darüber sieht aber gerne hinweg, wer den grundsätzlichen Ansatz zu würdigen weiß, christliche Überzeugungen in lebensweltliche Bezüge so zu übersetzen, dass sie dabei inhaltlich weder entleert noch überhöht werden.

Auch wenn die Überlegungen sich aus seinen eigenen Erfahrungen speisen, drängt Beinert seine eigene Person nicht in den Vordergrund. Wo es zur persönlichen Glaubensreflexion kommt, ist sie nie voyeuristisch, sondern unterstreicht seine Argumentation. Im Zeitalter von spiritueller Erbauungsliteratur sind die klug durchdachten Zeilen, die einen Spagat zwischen theologischem Anspruch und allgemeiner Verständlich- und Lesbarkeit schaffen, durchaus hervorzuheben. Annika Schmitz

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Wolfgang Beinert

Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2026, 328 S., 26,00 € (D)