„Das Gesamtpaket Kirche in seiner traditionellen Ausprägung hat ausgedient; seine Struktur, die Ämter und Dienste stehen in Frage.“ Das ist die Grundthese des kleinen Buchs, das der emeritierte Fuldaer Pastoraltheologe Richard Hartmann mit Verweis auf zahlreiche eigene Veröffentlichungen jetzt vorgelegt hat. Hartmann ist dank seiner südhessischen Direktheit niemand, der ein Blatt vor den Mund nimmt; das zeigt sich auch am Duktus seines „Zwischenrufs“ in der die katholische Kirche gerade auch hierzulande umtreibenden Amtsfrage. Die einschlägigen Stichworte sind hinreichend bekannt: Nachwuchsmangel beim Klerus in Diözesen und Orden, Nachwirkungen des Missbrauchsskandals, Unklarheiten bei der Zuordnung der diversen pastoralen Berufe wie auch im Verhältnis von kirchlichem Hauptamt und Ehrenamt.
Hartmann entwirft angesichts der Krise kein neues Modell einer Ämterordnung, sondern geht das Problem durch eine Art Verflüssigung an. Er stellt den Grundauftrag der Kirche in den Mittelpunkt, der sich in der Diakonie, der Verkündigung, der Liturgie und als Gemeinschaft (Koinonia) manifestiert, und fragt von daher nach der Aufgabe des Amtes. Er betont in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit von Professionalität, plädiert aber gleichzeitig für eine kirchliche Gemeinschaft, die von einer Vielfalt an Charismen und Begabungen geprägt ist. Es brauche für das professionelle Handeln in der Kirche vielfältige Netzwerke, „die nicht über enggefasste Statusgruppen zu bewältigen sind“. Eines von Hartmanns Leitworten ist Synodalität im Sinne von Papst Franziskus; diese verlange eine neue Organisationslogik, die auf feudale Herrschaft, aber auch auf familiale Harmoniebestrebungen und zudeckende Konfliktvermeidung verzichte.
Der erfrischende Ansatz Hartmanns gibt im besten Sinn zu denken und lädt dazu ein, sich beim Thema Kirchenreform nicht zu sehr über Einzelfragen zu streiten, sondern das große Ganze nie aus dem Auge zu verlieren. „Kirche kann und darf nicht zuerst vom Amt her gedacht werden.“ Dieser Merksatz des Buchs ist Gold wert und kann entkrampfend wirken.