Warum lohnt sich heute noch ein Blick auf berühmte Liebespaare der Weltgeschichte?
Christian Pantle: Die Gefühle, die dabei eine Rolle spielen, sind zeitlos und damals so aktuell wie heute. Das reicht von Sehnsucht und Anhänglichkeit über Narzissmus und Eifersucht bis hin zu Abscheu und Hass. Die geschilderten Liebesaffären zeigen wie mit einem Brennglas, dass die Weltgeschichte eben nicht nur durch rationale Entscheidungen angetrieben wird, sondern auch ganz stark durch Emotionen – wie man gerade an der Weltpolitik sehen kann, die aktuell oft irrational wirkt.
Sie erzählen 40 fatale Beziehungen von der Bibel bis ins Weiße Haus – nach welchen Kriterien haben Sie diese Paare ausgewählt?
Christian Pantle: Wir haben uns gefragt: Was sind die kuriosesten und spannendsten Affären, die für die Beteiligten, ihr Umfeld oder das ganze Land fatale Folgen hatten? Dabei stellte sich heraus: Die Weltgeschichte bietet ein unfassbar großes Spektrum an verhängnisvollen Liebesgeschichten, in denen sich die Mächtigen und Berühmten verstrickten. Wir hatten buchstäblich die Qual der Wahl.
Gab es ein historisches Liebespaar, das Sie nach der Recherche mit ganz anderen Augen gesehen haben?
Christian Pantle: Nicht nur eines. Das beginnt schon mit Adam und Eva: Mir war nicht bewusst, dass sie nicht das erste Menschenpaar in der Bibel sind, sondern Adam laut talmudischer Überlieferung vor Eva eine andere Gefährtin hatte – Lilith, die ihn nach einem heftigen Streit verlässt.
Viele der vorgestellten Beziehungen zeigen, wie eng Liebe, Macht und Einfluss zusammenhängen. Warum ist das ein wiederkehrendes Muster in der Geschichte?
Christian Pantle: Gesellschaft und Technologie haben sich zwar über die Zeit stark gewandelt, aber der Mensch ist in seinem Kern gleichgeblieben – wir haben heute dieselbe DNA wie unsere Vorfahren im Mittelalter und der Antike. Die Liebesgeschichten offenbaren uns: Was sind unveränderliche innere Antriebe, und was ist gesellschaftlich bedingt? Wir lernen so viel über uns selbst und das Menschsein an sich.
Wie recherchiert man ein Buch über berühmte Beziehungen, bei denen Fakten und Mythen oft eng vermischt sind?
Christian Pantle: Wir haben verschiedene Quellen verglichen. Und wenn ein solcher Check nicht möglich war – etwa weil es nur eine Quelle gibt oder die Autoren voneinander abgeschrieben haben oder sie nur Gerüchte wiedergeben haben – dann machen wir das im Text deutlich. So können die Leserinnen und Leser selbst entscheiden, ob sie einen Bericht für glaubhaft halten.
Gab es bei der Arbeit am Buch Momente, in denen Sie selbst staunen mussten?
Christian Pantle: Absolut. Zum Beispiel bei Bianca Cappello und Francesco de’ Medici, dem Großherzog in Florenz im 16. Jahrhundert. Dieser lässt Biancas Ehemann umbringen, heiratet sie – und Bianca spielt ihrem neuen Gatten nun eine komplette Schwangerschaft inklusive Fake-Geburt vor: Sie lässt drei hochschwangere Frauen in den Palast bringen, und als eine der Frauen einen Sohn bekommt, nimmt sie diesen an sich, simuliert eine Geburt und präsentiert ihrem Gatten den ersehnten Thronfolger. Die Hebamme und die drei Leihmütter sind kurz darauf tot. Das stellt selbst fiktive Dramen wie in „Game of Thrones“ in den Schatten.