Die Rolle der Frau ist derzeit eines der wichtigsten und gleichzeitig umstrittensten Themen in der katholischen Kirche. Dabei ist der Blick auf die ersten Jahrhunderte von Christentum und Kirche so lohnend wie schwierig: Im frühen Christentum gab es offensichtlich neben Männern auch nicht wenige Frauen, die wichtige Funktionen ausübten. Gleichzeitig bleibt für Historiker vieles auf diesem Feld unsicher und hypothetisch.
Das Buch von Judith Rosen versucht einen Gesamtüberblick unter dem leitenden Stichwort der Mission und fragt nach dem Beitrag von Frauen für dieses konstitutive Element im Christentum der Antike. Der Aspekt der Mission, so ihre Hauptthese, setze den Rahmen, „in den sich das Zeugnis und die vielfältigen Tätigkeiten der frühen Christinnen von der Beterin über die Leiterin einer Hausgemeinde und Lehrerin bis zur Diakonin und Märtyrerin stellen und verknüpfen lassen“.
Die Autorin entwirft ein farbiges Bild, in dem bekannte Frauen wie Maria Magdalena oder die von Paulus bekehrte Purpurhändlerin Lydia aus Philippi ebenso auftauchen wie anonyme Frauen, die etwa als Witwen einen wichtigen Platz in den „Frauennetzwerken“ des frühen Christentums eingenommen haben. In vielen Fällen ist sie auf Vermutungen angewiesen; gelegentlich wäre auch etwas mehr methodische und stilistische Sorgfalt am Platz gewesen. Manche Abschweifung – etwa zur Vorbildrolle der alttestamentlichen Prophetinnen – hätte sich einsparen lassen.
Dennoch erweist sich die engagierte Suche nach dem spezifischen Beitrag von Frauen zur Entwicklung der frühen Kirche und zur erstaunlichen Ausbreitung des Christentums als hilfreich und anregend. An entsprechenden Stellen merkt Judith Rosen an, dass dieser Beitrag als Folge der institutionellen Verfestigung der Gemeinden und ihrer Ämter in den Hintergrund geraten sei – der damit verbundene Verlust hat sich in der katholischen Kirche über Jahrhunderte hinweg schmerzlich bemerkbar gemacht. Insofern lässt sich vom Blick zurück auf die flexibleren Verhältnisse beim Thema Frauen in der Alten Kirche manches lernen. Ulrich Ruh