Tagung des Rats der Evangelischen Kirchen in EuropaGEKE strebt Kulturwandel beim Thema sexualisierte Gewalt an

Ausschnitt aus einem Positionspapier der GEKE
© GEKE

Die „Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa“ (GEKE) will sich stärker in der Prävention von sexualisierter Gewalt engagieren. Kinder, Jugendliche und schutzbedürftige Erwachsene hätten auch in evangelischen Kirchen großes Unrecht erfahren, heißt es in einer Erklärung des Rates der GEKE. Sie wurde Mitte Juni auf einer internationalen Konferenz in Warschau vorgestellt, mit der ein mehrjähriger Austausch- und Umsetzungsprozess zum Thema Prävention und Intervention bei sexuellem Missbrauch startete. Die GEKE wolle dazu beitragen, dass evangelische Kirchen Verantwortung wahrnehmen, voneinander lernen und bewährte Schutzkonzepte weiterentwickeln.

Die GEKE-Präsidentin, die Schweizer Theologin Rita Famos (vgl. HK, September 2025, 16–19), betonte, dass Europa seinen Werten gerecht werden müsse, wenn es um den Schutz verletzlicher Menschen gehe. „Als evangelische Kirchen in Europa wollen wir dazu unseren Beitrag leisten.“ Kirche müsse ein Ort sein, an dem Menschen sicher seien. „Wo Kirche von Gottes Liebe spricht, muss sie alles dafür tun, dass Menschen keinen Missbrauch erleiden und Betroffene gehört und unterstützt werden.“ Zugleich betonte Famos spezifische Eigenheiten evangelischer Kirchen. „Wir haben kein Machtzentrum, das verordnen könnte, wie etwas zu geschehen hat“, sagte sie. „Aber wir haben lebendige Netzwerke zwischen Kirchenleitungen, zwischen Experten und Gemeinden.“ Damit wolle man einen Kulturwandel in Europa erreichen. „Das haben wir bei der Frauenordination durchexerziert“, so Famos. „Die wurde nicht von oben verordnet, sondern weil sich Frauen vernetzt haben, hat sie sich etabliert.“ So wolle man auch beim Thema sexualisierter Gewalt einen Kulturwandel erreichen. „Wir glauben an das Priestertum aller Glaubenden, und das heißt, wir alle leiten Kirche mit.“

Die schwedische Theologin Marit Noreen sprach davon, dass in der Kirche von Schweden im Zuge der Me-too-Debatte rund 400 Frauen über Erfahrungen mit sexueller Gewalt in der Kirche berichtet hätten. „Heute kann niemand mehr behaupten, dass so etwas nicht in der Kirche passiert“, sagte Noreen. Es brauche einen Kulturwandel. „Wichtig ist es, eine Kultur zu fördern, in der sich Menschen äußern können und dabei als etwas Positives für die Gemeinschaft gesehen werden.“

Der hessische Pfarrer Matthias Schwarz, der als Betroffener von sexualisierter Gewalt dem EKD-Beteiligungsforum angehört, erklärte, er träume von einer Kirche als „Safe Space, aber auch Brave Space – ein Ort, der Menschen ermutigt“. Die Geschichten der Betroffenen könnten helfen, die eigene Theologie und Spiritualität zu hinterfragen, erklärte Schwarz. „Viele Betroffene wurden gebeten, ihren Tätern zu vergeben – aber gibt es einen Zwang, zu vergeben, und kann ich nur Christ sein, wenn ich vergebe?“ Die Kirche müsse überlegen, wie man etwa im Konfirmandenunterricht damit umgehe, dass jeder vierte Jugendliche in seinem Leben in irgendeiner Form sexualisierte Gewalt erlebt. „Wir brauchen ein Bewusstsein dafür, dass nicht nur in unserer Kirche, sondern überall in unserer Gesellschaft Menschen Gewalt erfahren.“

Der GEKE gehören 96 lutherische, reformierte, unierte und methodistische Kirchen aus mehr als 30 Ländern Europas und Südamerikas an

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