Theologie in der SchweizVon Amherdt bis Zumstein

In der Schweiz ist Theologie strukturell ähnlich organisiert wie in Deutschland und Österreich, nämlich vor allem in Fakultäten an staatlichen Universitäten. Allerdings weist die theologische Landschaft in der Schweiz einige Besonderheiten auf: Es gibt Theologie (ob evangelisch oder katholisch) in einer deutschsprachigen und einer französischsprachigen Variante, und die theologischen Akteure weisen von ihrer Herkunft und nationalen Zugehörigkeit her eine große Vielfalt auf. Das wird auch an diesem dickleibigen Band deutlich, der Person und Werk von 59 meist noch lebenden Schweizer Theologinnen und Theologen vorstellt. Ein Teil der Beiträge ist auf Französisch verfasst und behandelt Personen, die im deutschen Sprachraum außerhalb der Schweiz höchstens dem Namen nach bekannt sind, etwa der Alttestamentler Albert de Pury, der Systematiker Henry Mottu oder der praktische Theologe Claude Bridel.

Die einzelnen Porträts präsentieren die Schweizer theologischen Akteure, nach Fächern beziehungsweise Fachgruppen geordnet, wissenschaftlich kompetent und mit mehr oder weniger ausgeprägtem Interesse an der jeweiligen Person, indem sie wichtige Veröffentlichungen charakterisieren und eine Einordnung in den entsprechenden fachlichen und kirchlichen Kontext vornehmen. Manche Texte sind stärker biografisch gehalten, andere stellen die fachlichen Aspekte in den Vordergrund. Übernational einflussreiche Theologen wie der für die vatikanische Ökumene zuständige Kurienkardinal Kurt Koch, der aus Flandern stammende Dominikaner Guido Vergauwen oder der wichtige Luzerner und spätere Münsteraner Sozialethiker Franz Furger sind vertreten, aber auch ausgesprochene Spezialisten für Schweizer Christentums- beziehungsweise Kirchengeschichte wie der Genfer Oliver Fatio oder der Berner Rudolf Dellsperger.

Farbe bringt nicht zuletzt der Schlussteil des Buches, in dem Grenzgänger der akademischen Theologie dargestellt werden. Der Band lädt zu lohnenden Entdeckungsreisen in ein konfessionell und sprachlich vielfältiges kleines Universum der Theologie ein und ist deshalb gerade Nichtschweizern zu empfehlen.

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