Glück beginnt da, wo die Angst endet
Daniel Brandl hat sein Leben im Griff. Es verläuft sicher, vernünftig und durchgeplant. Doch irgendwann merkt er: Was ihn schützen sollte, hält ihn gefangen. Als er alles auf eine Karte setzt, ist er überzeugt, das Glück liege in den Dingen, die er sich bisher nicht leisten konnte. Eine Bucketlist voller großer Träume soll sein Leben endlich lebenswert machen. Doch das Leben schreibt andere Pläne. Je länger Daniel dem nachjagt, was ihn glücklich machen soll, desto näher kommt er dem, was er nie gesucht hat. Eine Geschichte über den Mut, Vertrautes hinter sich zu lassen – und die überraschenden Wege, auf denen wir finden, was uns wirklich fehlt.
„Die größten Wunder stehen auf keiner Liste“ – ein Gespräch mit Martin Glück über Neuanfänge, Irrwege und das Glück der ungeplanten Begegnungen
Daniel kündigt kurz vor 50 seinen Job und startet eine Bucketlist – wie kamen Sie auf diese Ausgangsidee?
Martin Glück: Jeder von uns spielt irgendwann mit der Idee: Was wäre, wenn man alles hinwirft und nochmals neu anfangen könnte? Wenn man sich mit Geld Wünsche erfüllt, die man schon immer hatte? Würde es mein Leben tatsächlich ändern? Dieses Gedankenspiel fand ich ungemein reizvoll.
Wenn Sie heute Ihre eigene "Wunderliste" schreiben würden – was würde definitiv nicht draufstehen?
Dinge, die nur beeindruckend aussehen, aber nicht sind. Wünsche, die eigentlich nicht mit mir zu tun haben, sondern vom Beifall anderer abhängig sind. Je älter ich werde, desto mehr reizen mich Erfahrungen, die auch dann etwas wert sind, wenn niemand ein Foto davon macht.
Der Titel „Die Wunderliste" hat Witz, aber auch Tiefe – was steckt für Sie in diesem Wortspiel?
Martin Glück: Die Hauptfigur glaubt zunächst an eine Bucketlist voller außergewöhnlicher Erlebnisse. Am Ende entdeckt sie, dass die eigentlichen Wunder oft die ungeplanten Begegnungen sind, die auf keiner Liste stehen.
Daniel erlebt Chaos und Enttäuschung, bevor er etwas findet – warum war Ihnen dieser Umweg wichtig?
Martin Glück: Weil Erkenntnis selten auf direktem Weg kommt. Menschen verändern sich nicht durch Erfolg, sondern durch die Ereignisse, die anders laufen als geplant.
Sie schreiben unter Pseudonym – verändert das Ihren Blick auf die Hauptfigur?
Martin Glück: Ein Pseudonym erinnert einen daran, dass jeder Mensch verschiedene Rollen spielt, verschiedene Blickwinkel einnehmen kann. Genau darum geht es auch bei Daniel: Herauszufinden, wer er ist, wenn die Rollen wegfallen.
Welche Begegnung in der Geschichte hat sich für Sie am wichtigsten entwickelt?
Martin Glück: Die wichtigsten Begegnungen sind jene, bei denen Daniel merkt, dass echte Nähe dort entsteht, wo Menschen nichts voneinander wollen.
Was hat Sie beim Schreiben selbst überrascht?
Martin Glück: Wie oft die scheinbar kleinen Szenen die wichtigsten wurden. Nicht der Privatjet oder das Luxusrestaurant, sondern die Gespräche auf einer Parkbank oder an einer Imbissbude.
Der Roman ist humorvoll und berührend zugleich – wie haben Sie diese Balance gefunden?
Martin Glück: Das Leben selbst macht es vor. Die komischsten Situationen passieren oft in den ernsten Momenten. Und hinter vielen Witzen steckt eine Wahrheit, die man sonst kaum erkennt.