Fronleichnam habe ich erst in Berlin verstanden. Zuhause im Münsterland konnte ich mit der Prozession nicht viel anfangen. Nun aber ziehen wir über die Friedrichstraße, die Leute kommen uns hektisch entgegen. Touristen fotografieren den „Himmel“ mit der Monstranz und uns mit den Liedzetteln. Plötzlich ertönt ein Presslufthammer. „In der DDR durften wir uns nicht zeigen, verdrängt wurden wir“, erklärt mir die Frau neben mir. „Jetzt lassen wir uns nicht mehr verscheuchen.“ Wir singen kräftig weiter.
Das Ganze fühlt sich für mich heute nicht falsch an. Eine Machtdemonstration, wie man es der Fronleichnamsprozession mitunter vorwirft, ist das nicht. Vielmehr erscheint sie mir im säkularen und Diktatur erfahrenen Berlin als der Ausdruck einer Minderheit, die auch für sich die friderizianische Losung annimmt, nach der jeder nach seiner Façon selig werden kann.
In dieser Woche starte ich als Chefredakteur des CHRIST IN DER GEGENWART. Passt das Hochfest zu meiner neuen Tätigkeit, frage ich mich. Auf jeden Fall freue ich mich auf die neue Aufgabe und den Austausch mit Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, und wünsche Ihnen gute Lektüre!