Der Heilige hat die rechte Hand zum Segen erhoben. Üppig geschmückt mit Blumen und funkelnden Gewändern wippt er auf seinem Podest hin und her, als würde er zur Musik der Blaskapelle tanzen. Die Menge am Straßenrand jubelt, sobald sich die Prozession nähert: Der Schutzpatron zieht in seine Stadt ein.
Das Nikolausfest traf uns völlig unvorbereitet – und hat uns mit seiner Euphorie sofort mitgerissen. Zum Abschluss unserer Apulien-Reise wollten wir Bari besichtigen, nicht ahnend, dass sich die Stadt rund um den 9. Mai im Ausnahmezustand befinden würde. Mit Prozessionen und Gottesdiensten, Feuerwerk und einem der größten Volksfeste Italiens erinnern die Baresen an die Ankunft der Reliquien des heiligen Nikolaus vor fast 1000 Jahren. Damals betrachtete man die Überführung als „Rettung“ vor den nahenden Seldschuken; aus historischer Perspektive würde man eher von Raub sprechen. Doch die Verbindung zur Ostkirche blieb bestehen: Bis heute kommen zahlreiche orthodoxe Pilger zu dem mehrtägigen Fest. Eine Kapelle der Basilika ist dem byzantinischen Ritus vorbehalten.
Unter all dem Spektakel hat mich der „tänzelnde Bischof“ am meisten begeistert. Ein spezieller Trippelschritt der Träger lässt die Statue in wildem Rhythmus schaukeln. Viele reihen sich in die Prozession ein und tanzen mit, auch wir sind schnell mittendrin. Wie anders und zugleich intuitiv vertraut religiöses Brauchtum sein kann – ein schönes Beispiel für gelebte Vielfalt! Dazu Nachriten aus der katholischen Welt und von unseren Geschwistern anderer Konfessionen.
1 | Augsburg. Zum Start der Renovabis-Pfingstaktion hat Bischof Bertram Meier zur Solidarität mit Christen in Osteuropa aufgerufen. Gläubige litten dort oft unter politischer und gesellschaftlicher Repression. Der Gottesdienst zum Abschluss der Spendenaktion wird am Pfingstsonntag im ZDF übertragen.
2 | Tiflis. Der heilige Synod der georgisch-orthodoxen Kirche hat einen neuen Patriarchen gewählt: Schio III. Der 57-Jährige, mit bürgerlichem Namen Elizbar Mujiri, gilt als russland- und regierungsnah. Mit rund 85 Prozent Bevölkerungsanteil hat die selbstständige georgisch-orthodoxe Kirche großen Einfluss in dem Kaukasusland.
3 | Limburg. Bischof Georg Bätzing hat sich für mehr Beteiligung von Frauen in kirchlichen Leitungspositionen ausgesprochen. „Solange die sakramentale Weihe für Frauen nicht möglich ist, sollten wir diese Möglichkeiten konsequent weiterentwickeln“, forderte er im Interview mit dem Portal mittelhessen.de.
4 | Vatikan. Der Vatikan wünscht sich einen gemeinsamen Einsatz von Christen und Buddhisten für Frieden in der Welt. Als Gläubige teile man die Verantwortung, Ungerechtigkeit zu bekämpfen und den Dialog statt Konfrontation zu suchen, hieß es in einer Grußbotschaft zum buddhistischen Vesakh-Fest.
6 | Paderborn. Das Erzbistum Paderborn hat angekündigt, seine bisher mehr als 600 Pfarreien ab dem Jahr 2028 zu 21 Seelsorgeräumen zusammenzuführen. Als Grund für die Strukturreform wird der Rückgang an Kirchenmitgliedern, Priestern und Ehrenamtlichen genannt.
5 | Athen. Die orthodoxe Mönchsrepublik Athos verzeichnet zuletzt Rekorde bei den Besucherzahlen. Täglich kämen zwischen 1000 und 1500 Gäste, die Klöster stießen an ihre Belastungsgrenze. Grund für den großen Besucherstrom seien die Kriege in der Ukraine und in Nahost, durch die andere Pilgerziele aktuell unzugänglich seien, so der staatliche Verwalter des Athos.
7 | Magdeburg. Gemeinsam mit diversen katholischen Organisationen hat das Bistum Magdeburg die Kampagne „Bewusst wählen“ zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im September gestartet. Die Initiative ruft dazu auf, sich mit den Parteiprogrammen zu befassen und über die Auswirkungen der Wahl für die Gesellschaft auszutauschen. „Wir wollen Orientierung geben – nicht parteipolitisch, sondern wertebasiert“, sagte Bischof Gerhard Feige.