Schon Augustinus wusste, dass der Mensch nicht allem dieselbe Aufmerksamkeit schenken kann. Mit seinem Gedanken des ordo amoris, der „Ordnung der Liebe“, erinnert er daran, dass unser Leben davon geprägt ist, worauf wir unser Herz richten. Die Frage lautet daher nicht nur, welche Krisen es gibt, sondern auch: Welche sehen wir überhaupt? Und welche geraten aus dem Blick?
Auch diese weit!-Ausgabe kann nur Schlaglichter setzen: Sie führt uns exemplarisch in ein christliches Krankenhaus im Südsudan, wo medizinische Versorgung und Ausbildung unter schwierigsten Bedingungen geleistet wird. Annette Jantzen erinnert mit dem Jüdischen Krieg an eine längst vergangene Krise und fragt nach deren Bedeutung für das Verständnis des Markusevangeliums. Und im Interview kommt die Geschäftsführerin des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“ zu Wort, die von den Herausforderungen und Hoffnungen internationaler Solidarität berichtet. Aber auch hierzulande gibt es Menschen, die unter Armut und steigenden Lebenshaltungskosten zu leiden haben, wie ein Blick auf die Tafelläden in Deutschland zeigt.
Die Vielzahl der Krisen kann leicht mutlos machen. Doch christliche Hoffnung besteht nicht darin, alle Probleme lösen zu können. Sie beginnt dort, wo Menschen sich dem Leid nicht entziehen und das Mögliche tun. Kein Krankenhaus heilt alle Kranken, keine Tafel beseitigt die Armut, keine Hilfsorganisation rettet allein die Welt. Aber jede konkrete Hilfe verändert das Leben von Menschen. So lädt dieses Heft nicht nur dazu ein, genauer hinzusehen, sondern auch dazu, die eigene Aufmerksamkeit neu zu ordnen: weg von der bloßen Überforderung durch schlechte Nachrichten, hin zu einer Haltung, die Anteil nimmt und handelt – und sei die Geste noch so klein.