DschihadismusMeinungsverantwortung

Satire darf alles. Aber nicht alles darf Satire sein. Wenn es um das Heiligste geht, stoßen Hohn und Spott an ihre Grenzen.

Die dschihadistischen Aktivitäten sind in Europa keineswegs eingehegt. Die jüngsten Attentate in Frankreich, Österreich und Deutschland haben solche Illusionen zerstört. Auch die Erinnerung an frühere Verbrechen meldet sich wieder. Für gewisse Zeit konnten wir das Übel verdrängen. Die grausamen Glaubenskriege muslimischer Extremisten gegen sogenannte Ungläubige in anderen Weltgegenden erreichen uns allenfalls noch in Kurzmeldungen. Wen interessiert schon Afrika, das längst von einem Netz derartiger Kämpfer durchzogen ist? Wir haben es nur der akribischen Arbeit von Geheimdiensten, Kriminalämtern und Generalstaatsanwaltschaft zu verdanken, dass bisher nichts Schlimmeres passiert ist. Hunderte, wenn nicht tausende „Gefährder“ haben bei uns Fuß gefasst. Unübersehbar ist die Zahl ihrer Sympathisanten, realistisch gar nicht zu überwachen. Über digitale Netze versuchen radikal-islamische Kreise, junge Leute zu „bilden“.

Vielfach ist vom „politischen Islam“ die Rede, um ihn vom Mehrheitsislam zu unterscheiden. Das aber sollte nicht ablenken davon, dass der „politische Islam“ sehr wohl auch ein religiöser Islam ist, der sich gegen „Ungläubige“ richtet, insbesondere gegen Christen. Daher ist es eine Verharmlosung, wenn die Ermordung eines Lehrers in Frankreich, der seine Schüler anhand von Mohammed-Karikaturen über Meinungsfreiheit aufklären wollte, bloß als Anschlag auf „republikanische Werte“ gekennzeichnet wird. Bald darauf wurden in Nizza bewusst Christen umgebracht, so wie einst dem Priester Jacques Hamel die Kehle durchgeschnitten und neulich auf einen orthodoxen Geistlichen geschossen wurde. Die religiöse Seite darf nicht unterschlagen werden.

Ja, Religion soll, darf und muss kritisch befragt werden. Auch gibt es wirkungsgeschichtliche Zusammenhänge zwischen der Zeit und dem Verhalten der Stifter und dem Heute. Zudem wird das Wesen von Religion nicht selten von einem Unwesen begleitet, wie der Religionsphilosoph Bernhard Welte eindrücklich beschrieben hatte. Das Heilige Andersgläubiger aber macht man nicht verächtlich, man verunglimpft, verspottet, verhöhnt es nicht. Das aber ist geschehen, unter anderen durch die wiederholt publizierten unsäglichen sogenannten Mohammed-Karikaturen. Satire darf alles. Ja, aber nicht alles darf Satire sein. Zur Meinungsfreiheit gehört Meinungsverantwortung. Wie bei der Technikfolgenabschätzung sind bei allem aufklärerischen Dünkel, bei aller intellektuellen Arroganz die Folgen zu beachten, dass man andere für den eigenen „Mut“ nicht ins Verderben stürzt, zum Beispiel jene Christen, an denen sich die Rache von Dschihadisten und der von ihnen aufgehetzten Massen jedes Mal wieder entlädt. Heiliges ist heilig – bei aller notwendigen Kritik, bei aller Pflicht zum argumentativen Disput.

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