Predigtverbot für LaienFunktion und Praxis

Die Homilie in der Eucharistiefeier bleibt Klerikern vorbehalten. Helmut Hoping begrüßt die jüngste Bekräftigung des Vatikans – Annette Edenhofer hält dagegen.

Für ein Predigtverbot für Laien

Seit Johannes Paul II. hat der Heilige Stuhl immer wieder bekräftigt, dass nur geweihte Amtsträger die Vollmacht haben, in der Feier der Eucharistie die Homilie zu halten (vgl. can. 767 § 1 CIC), und kein Ortsbischof davon dispensieren kann. Es war daher keineswegs überraschend, dass der Vatikan die Gewährung einer Ausnahme, um die Bischof Heiner Wilmer, der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, gebeten hatte, mit Schreiben vom 17. Juni ablehnte.

Entscheidendes Argument ist die Einheit von Wort und Sakrament, wie sie im Dienst der geweihten Amtsträger am Tisch des Wortes (Ambo) und am Tisch der Eucharistie (Altar) zum Ausdruck kommt. Wohl kaum zufällig zitierte Papst Leo XIV. in der Generalaudienz vom 24. Juni aus der Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils, wonach die Liturgie des Wortes und die eucharistische Liturgie so eng miteinander verbunden sind, „dass sie einen einzigen Kultakt ausmachen“ (SC 56).

Zumeist wird übersehen, dass neben Bischöfen und Priestern auch Diakone aufgrund der Ordination über ihr Taufpriestertum hinaus sakramentalen Anteil am Hohepriestertum Christi haben (vgl. LG 41). Allerdings wird dem Diakon nicht das Priesteramt übertragen, das Voraussetzung zur Darbringung der Eucharistie ist. Daher ist er gehalten, sich vom Vorsteher der Eucharistie segnen zu lassen, bevor er das Evangelium verkündet und gegebenenfalls, was Ausnahme bleiben sollte, die Homilie hält.

Für die Homilie von Laien in der Eucharistiefeier wird oft auf die gemeinsame theologische Ausbildung von Priestern und Laien im pastoralen Dienst rekurriert, was etwa für Gemeindereferenten, die kein theologisches Vollstudium absolviert haben, nicht zutrifft. Zudem dominiert hier eine funktionale Sicht des Dienstes der geweihten Amtsträger. Der angeführte Priestermangel verfängt nicht als Argument, da es an Eucharistiefeiern nicht mangelt.

Fast 90 Prozent der deutschen Bischöfe haben 2023 beim Synodalen Weg einem Handlungstext zugestimmt, der unter anderem die Forderung enthält, Laien mit der Homilie in der Eucharistiefeier zu beauftragen. Damit konnten die Bischöfe nur scheitern.

Helmut Hoping

Gegen ein Predigtverbot für Laien

Früher war alles besser! Das Predigtverbot für Laien in der Eucharistiefeier will alles beim Alten lassen. Reformerinnen und Reformer sind enttäuscht. Nur entmutigen sollten sie sich nicht lassen. In Rom um Erlaubnis gefragt hatte ein Kleriker, Heiner Wilmer, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz. Als Frucht des Synodalen Weges hatte eine Mehrheit der Bischöfe die Laienpredigt befürwortet – pro Vielfalt der Schriftauslegung.

Im Mai habe ich in einer Sonntagsmesse in Berlin gepredigt. Im anschließenden Gespräch hieß es: Endlich, Frauenpredigten in der katholischen Kirche! Viele waren überrascht, dass ich schon in den Neunzigern als Pastoralreferentin nach dem Evangelium gepredigt hatte, später nur noch vor dem Bußakt, im Vorhof der sakralen Messfeier. Im Jahr 1997 nämlich nahm Rom die Ausnahmeregelung der Laienpredigt wegen Priestermangels zurück.

Priestermangel rufe nach Priestern! War es früher besser? In der Tat. Die Abkanzelung der Laienpredigt als Löcherstopferei, der Vorwurf des Quotenfrau-Proporzes im Zeitgeist nämlich beruht auf einer Ämtertheologie, die mutmaßlich weniger Christliches als höfisch Hierarchisches transportiert.

Kirchlich beglaubigte Ämter helfen, müssten aber der Formel Jesu geweiht sein: „Wer bei euch groß sein will, der soll euer Diener sein“ (Mk 10,43). Machtzentralen tun sich nicht leicht mit dieser Service-Größe. So braucht es prophetischen Widerspruch aus theologischen Gründen. Michael Seewald, Priester und Dogmatiker, verweist auf früher und zeigt die Vielzahl an Ämtermodellen in der Dogmengeschichte seit dem Konzil von Nizäa auf. Diskontinuitäten im Ringen um das Reich Gottes ohne Ausgeschlossene seien gute Zeichen theologischen Lernens.

Jesus selbst war so souverän, als Lehrer ein Lernender zu sein: Sein Reformprogramm für barrierefreie Mitmenschlichkeit gilt nicht nur dem Volk Israel, sondern aller Welt, lehrt ihn eine „Heidin“. In ihrer großen Hoffnung auf ihn und eine bessere Zukunft hatte sie sich nicht abschütteln lassen (vgl. Mt 15,21–28). Deshalb animiert das Predigtverbot zum Dranbleiben – am Predigen und am beherzten Streiten dafür.

Annette Edenhofer

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