Das Älterwerden ist ein schwer zu greifendes Phänomen. Zum einen, weil es etwas Dynamisches ist und sich nicht auf einen Moment feststellen lässt. Zum anderen aber, weil es das Älterwerden nicht gibt. Es ist ein höchst individueller Prozess, jede und jeder von uns erlebt ihn anders. Wie wir unser Altern wahrnehmen, hängt zu einem nicht geringen Teil von harten Faktoren wie Gesundheit, Wohlstand und sozialem Umfeld ab. Körperliche Gebrechen können den Genuss der Altersweisheit deutlich schmälern. Aber auch weiche Aspekte spielen eine Rolle: Wie sehr bin ich mit mir und anderen im Reinen? Habe ich ein positives Verhältnis zur eigenen Endlichkeit?
Ich erinnere mich noch relativ gut daran, dass ich es im Alter von 16 oder 17 Jahren kaum erwarten konnte, endlich älter, nämlich volljährig zu werden. Seit den späten 20ern und jetzt in meinen 30ern hat sich das Alterserleben dagegen verlangsamt: Man hat sich privat und beruflich eingerichtet, so kann es erstmal entspannt weitergehen. Größeres Gewicht bekommt das Thema wieder, wenn sich das Leben im letzten Drittel zu runden beginnt. Dann erhält die Rückschau eine besondere Bedeutung, wie in der großartigen Rubrik des Zeit-Magazins „Was ich gern früher gewusst hätte“. Darunter finden sich handfeste Ratschläge wie „Führe Tagebuch. Ich habe es nicht getan und wünschte, ich hätte“, aber auch kleine Lebensweisheiten wie „Die meisten Schuldgefühle sind Zeitverschwendung, sie machen dich nicht zu einem besseren Menschen“. So mit dem eigenen Ich ins Gespräch zu kommen, ist eine lohnende Übung für jedes Alter.
Auch unser Magazin weit! wird älter und verändert sich ganz leicht mit der Zeit. Ihre zahlreichen Zuschriften finden Sie jetzt weiter vorne im Heft. Außerdem neu in dieser Ausgabe ist unsere mit spitzer Feder geschriebene Glosse „Advocatus diaboli“. Wir wünschen erhellende Lektüre!