Leserbriefe

Wie erleben Sie das Altern? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht – und was wird vielleicht leichter? Diese Fragen haben wir in der letzten Ausgabe gestellt. Vielen Dank für die zahlreichen Zuschriften!

Älterwerden gibt mir Grund zum Nachdenken über das, was ich schon erlebt habe, und ein großes Gefühl der Dankbarkeit. Ich habe meinen Beruf als Lehrerin bis zuletzt mit großer Freude ausgeführt. Hinzu kommen zwei wunderbare Kinder und ein liebevoller und treuer Ehemann. Ich bin dankbar für jeden Morgen, an dem ich aufstehe und durch das Dachfenster den Morgen begrüße mit den Worten: Da bin ich wieder, auf in den neuen Tag. Ich übe viele Ehrenämter aus und freue mich, dass ich noch gebraucht werde und man gerne mit mir zusammen ist.

Monika Scholz (online)

Müssen erst die schwerer werdenden Beine, das sich „ungebührlich“ benehmende Herz zum Innehalten auffordern? Es ist bekannt: Unser Leben verläuft in Stufen, die es heißt, im jeweiligen Verlauf mit den uns eigenen Bedigungen zu bewältigen. Dazu gehört auch, auf der letzten Stufe dankbar für das zu sein, was machbar und erlebbar war. Versuchen wir, dieser nicht ganz problemlosen Stufe positive Aspekte abzugewinnen.

Raina Urner, Neuhof

Des brauch i nimmer! – „Das brauch ich nicht mehr!“, habe ich meine Oma oft sagen hören. Schade, dass die Art und Weise, wie sie es gesagt hat, im geschriebenen Wort nicht zu hören ist: mit so viel Freiheit und Gelassenheit. Mittlerweile bin ich selbst in dem Alter, in dem sie damals war. Und ich höre mich sagen und denken: Ach, das brauch ich nicht mehr. Es tut mir gut, das sagen zu können, die Freiheit und Gelassenheit zu spüren und die Stimme meiner Großmutter im Ohr und im Herzen zu haben. Im Zugehen auf meinen 70. Geburtstag sind mir drei Aufgaben wichtig geworden: Dankbar zurückzuschauen auf das, was war. Mich aussöhnen mit dem, was anders geworden ist, als ich mir vorgestellt und gewünscht hätte. Und: Neugierig bleiben auf das, was kommt…

Inge Höpfl, München

Auf einmal ist man 62 Jahre alt. Ich ließ mich von meiner Arbeit als Pastor pensionieren, aber nicht pausieren. Für acht Jahre war ich Professor für Kirchengeschichte. Lehraufträge in Europa, Indien und in der Südsee. Auch laufende pastorale Vertretungsdienste in der Pommerschen Kirche. Man merkt das fortschreitende Alter kaum. Doch dann der Schlag: 2022 Prostatakrebs. Plötzlich ein Pflegefall! Aber der Geist bleibt wach, und so zieht dieser Greis noch ab und zu den schwarzen Talar an. Und jetzt wartet mit 92 Jahren noch die Seebestattung eines Freundes, der gerade mit 90 Jahren verstorben ist.

Prof. em. Dr. Dr. h.c. Karl-Heinz Kuhlmann, Bohmte

Mit dem Älter- und Altwerden stellen sich mir Fragen: Was wird bleiben von meinem Leben? Kann ich dankbar darauf zurückblicken, zufrieden seinem Ende entgegensehen und entgegengehen, Unerfülltes loslassen? Was ist mit dem nicht Erreichten? Wie darüber Frieden finden? Wie die unbekannte Zeitspanne noch sinnvoll leben? Sie Gottes Liebe und Geistkraft vertrauensvoll überlassen, das Ende meinem Schöpfer gelassen anheim- und zurückgeben können und dass Freude bleibt – das wäre mein Ziel und Wunsch.

Monika Urban, Michelsneukirchen

Ein alter Hobbygärtner kann einige Arbeiten nicht mehr „in einem Rutsch“ schaffen und seufzt über Pausen. Ich erkläre, dass eine Pause auf der Gartenbank Anpassung ist; also intelligentes Verhaten! Das ist Trost-Theraphie im Alter.

Erika-Johanna Zimmermann, Salzgitter

Als ich nach meiner Berufstätigkeit meine Haare nicht mehr färbte und grau herauswachsen ließ, sahen mich viele erstaunt an und sagten: „Sehr mustig.“ Ich antwortete: „Ich bin, wie ich bin.“ Mein bestes Erlebnis war die regelmäßige Unterhaltung mit einer 92-jährigen alleinstehenden Dame. Ihr Lebensüberblick bereicherte mich sehr. Jetzt ist sie im gesegneten Alter gestorben. Ich habe viel von ihr gelernt.

Ricarda Alt-Stober, Bamberg

In Zukunft stellen wir Ihnen hier unsere Frage des Monats zu einem aktuellen Thema. Dieses Mal: „Warum sollte Papst Leo Deutschland besuchen – oder warum nicht?“ Wir sind gespannt auf Ihre Antworten! Schreiben Sie uns bis zum 20. Juli: leserbriefe-cig@herder.de

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