Erstmals hat das „Dikasterium für den Interreligiösen Dialog“ ein Kolloquium zum christlich-konfuzianischen Dialog ausgerichtet. Der „Dialog über den Beitrag von Christentum und Konfuzianismus zu einer idealen Gesellschaft: Neuer Himmel, Neue Erde und Datong“ fand am 4. und 5. August an der von Jesuiten betriebenen Sogang-Universität in Seoul (Südkorea) mit rund 150 Teilnehmern statt. Der Begriff „Datong“ steht für die „Große Einheit“ in einem Idealstaat. Das Abschlussdokument betont gemeinsame Herausforderungen wie soziale Spaltung, Einsamkeit, erzwungene Migration, Ungleichheit, Umweltzerstörung, Krieg und Diskriminierung sowie die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz . Diese Herausforderungen erforderten „ethische Weisheit, spirituelle Tiefe, Gemeinschaftsgefühl und ein erneuertes Bekenntnis zur Würde jedes einzelnen Menschen und zum Gemeinwohl“. Das Dokument spricht sich für eine dauerhafte Zusammenarbeit in Forschung, Bildung, Dialog und konkreten Initiativen aus.
Von katholischer Seite nahmen Vertreter des Dikasteriums und der Koreanischen Bischofskonferenz teil. Der konfuzianische Beitrag wurde über die „Sungkyunkwan Confucian Academy of Korea“ unter ihrem Präsidenten Choi Jong-soo organisiert. Das Dialogforum bereitete auch auf den Weltjugendtag vom 3. bis 8. August 2027 in Seoul vor.
Die christliche Vision vom „neuen Himmel und der neuen Erde“ und das konfuzianische Ideal des „Datong“ seien in unterschiedlichen Kontexten entstanden, betonte Präfekt Kardinal George Jacob Koovakad, und doch wollten beide dazu beitragen, „eine gerechtere, harmonischere und von Mitgefühl geprägte Welt aufzubauen“. Die Grundlagen dieses Wandels unterschieden sich erheblich. Der Wert des Dialogs bestehe darin, „diese Unterschiede zu bewahren und gleichzeitig jeder Tradition zu ermöglichen, den Horizont der anderen zu hinterfragen, zu bereichern und zu erweitern“. Auch Choi betonte, wahre Harmonie bestehe nicht darin, gleich zu werden, sondern darin, sich für das Gemeinwohl zusammenzuschließen und dabei die Unterschiede des anderen zu respektieren.
Das Dikasterium kündigte die Veröffentlichung von Leitlinien für den christlich-konfuzianischen Dialog an, koordiniert von Untersekretär Pater Paulin Batairwa Kubuya. Im Januar 2024 hatte das Dikasterium erstmals eine Studiengruppe zusammengeführt, um Leitlinien zu erarbeiten; es folgte 2025 ein Workshop in Taiwan. In Seoul wurden Kolloquien in Indonesien 2028 und Hongkong 2030 vereinbart.
Laut der „World Religion Database“ gab es 2025 bis zu 8,75 Millionen Menschen, die sich mit dem Konfuzianismus identifizierten.