Christlich-jüdischer DialogBuber-Rosenzweig-Medaille für Christian Rutishauser

Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille an Christian Rutishauser im Gürzenich, Köln
© Hilde Naurath

Der Schweizer Judaist und katholische Theologe Christian Rutishauser erhielt am 8. März die Buber-Rosenzweig-Medaille, mit der der „Deutsche Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit“ Verdienste um die Verständigung im interreligiösen Kontext auszeichnet. Der Koordinierungsrat begründete, der Jesuit verfolge „hellwach die Entwicklungen in den katholisch-jüdischen Beziehungen“ und agiere „als intensiver Mahner, wenn er den Eindruck gewinnt, dass es Rückfälle hinter das erreichte Niveau der Verständigung gibt“. So habe er nach dem „höchst problematischen Artikel des emeritierten Papstes Benedikt XVI. von 2018 ‚Gnade und Berufung sind ohne Reue‘“ in einem Zeitungsartikel analysiert: „Wenn Erfüllung in Christus exklusiv gesetzt wird, dann wird christliche Identität auf Kosten der jüdischen formuliert.“ Dies hatte eine intensive Debatte ausgelöst.

In seiner Laudatio erläuterte der evangelische Theologe Christoph Markschies, Rutishauser zeige, wie gute Theologie ein Gewaltpotenzial reduzieren könne. In einem humanistischen Sinne strebe der Preisträger eine Persönlichkeitsbildung an, die auch gegen Antisemitismus helfe. Rutishauser selbst erklärte, da persönliche Unsicherheit Ablehnung fördere, müssten auch „indirekte Wege“ gegangen werden, damit sich Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit kennenlernen. Wichtig sei, die andere Perspektive auch anzunehmen. Die katholische Liturgie etwa sei nicht antisemitisch, wohl aber „a-semitisch“. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst betonte, es sei Aufgabe von Deutschland, jüdisches Leben sicher und sichtbar zu machen: „Wir dürfen nicht zulassen, dass Juden sich unsicher fühlen“, so Wüst.

Rutishauser ist Berater des Heiligen Stuhls in der vatikanischen Kommission für die religiösen Beziehungen mit dem Judentum. Die undotierte Buber-Rosenzweig-Medaille wird seit 1968 jährlich von den Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit vergeben. Sie ist nach den jüdischen Philosophen Martin Buber (1878–1965) und Franz Rosenzweig (1886–1929) benannt. Zu den früheren Preisträgern gehören neben Rutishausers Doktorvater Clemens Thomas auch Schalom Ben-Chorin, Navid Kermani,Angela Merkel und Igor Levit (vgl. HK, April 2024, 51). Hilde Naurath

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