Die evangelische Nordkirche verzichtet ab 2027 auf das Amt des Landesbischofs. Ende September beschloss die in Lübeck-Travemünde tagende, 156 Mitglieder zählende Landessynode mit fünf Gegenstimmen und zehn Enthaltungen eine „Neuausrichtung der bischöflichen Dienste der Nordkirche in Form eines Modells mit drei gleichgeordneten Bischöfen und Bischöfinnen“. Nun sollen die Kirchenleitung und das Landeskirchenamt Vorschläge zur Umsetzung dieses Grundsatzbeschlusses finden.
Seit ihrer Gründung 2012 in Ratzeburg verfügte die Nordkirche über eine in Schwerin angesiedelte Landesbischöfin und drei Bischöfe im Sprengel, die in Schleswig, Hamburg und Greifswald amtieren. Zwischen den derzeitigen Amtsinhabern kam es wiederholt zu Spannungen. Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt erklärte zu Beginn der Synode, zum 1. Oktober 2027 in den vorzeitigen Ruhestand zu treten und sich bis dahin vorwiegend um ihre Ämter im Lutherischen Weltbund und in der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands kümmern zu wollen. Anschließend verließ sie die Synode. Die Synodaldebatte zeigte, dass es keinen Nachfolger geben wird.
„In der Nordkirche gibt es drei Bundesländer und drei Bischöfe im Sprengel“, sagte Pastor Dirk Ahrens aus der Steuerungsgruppe des Zukunftsprozesses der Nordkirche. Die Bischöfe im Sprengel stünden sich gut mit der jeweiligen Landesregierung – in der Verfassung der Nordkirche aber stehe, dass der Kontakt zu den Landesregierungen Aufgabe des Landesbischofs sei. Es gebe „Zuständigkeiten, die bewusst offen formuliert sind, die sich aber als konfliktanfällig erwiesen haben“. Das ehrenamtliche Mitglied der Kirchenleitung Arne Gattermann betonte: „Wenn mehrere bischöfliche Personen geistliche Leitung wahrnehmen, braucht es nicht nur klare Zuständigkeiten, sondern auch Verfahren, wie man mit Überschneidungen umgeht.“
Das Modell eines Bischofskollegiums gab es bereits in einer der Vorgängerkirchen der Nordkirche, der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Es galt im Grundsatz als praktikabel, ein Dreier-Kollegium aber nicht unbedingt als sparsamer. Es sei eher „ein Weiter-so mit einem Bischof weniger“, so die Ratzeburger Studienleiterin Linda Pinnecke. Synodale warnten vor einer Lösung, bei der jeder Bischof in seinem Sprengel verbleibe. Ein Mitglied des Finanzausschusses fragte, ob angesichts sinkender Mitgliederzahlen und Finanzen drei Bischöfe nicht weiterhin zu viele seien. Auch bei den Bischöfen seien 30 Prozent Einsparungen nötig.