Besserwisser?
Zum Leitartikel „Nicht abgeschrieben“
Jesu Worte als besserwisserisch zu interpretieren und damit seine Menschlichkeit zu belegen (siehe Ende des Artikels), zeugt von Unkenntnis der historisch-kritischen Exegese und verärgert mich in seiner Banalität und Oberflächlichkeit. Mag sein, dass die Autorin den Stil nicht mag (ich nehme an, sie kennt das Evangelium nicht einmal im Urtext), aber das ist unwesentlich für das Textverständnis. Es wäre schön, wenn der CIG in puncto Auslegung des Sonntagsevangeliums auf sein ursprüngliches Niveau zurückkehren würde.
Veronika Burth, Offenburg
Die Worte „Menscheln“ und „Besserwisserisch“ werden benutzt, um Fehlverhalten bei Anderen zu benennen. Mit diesen Worten das „Fehlverhalten“ von Jesus zu beschreiben, zeigt, dass die Autorin Jesus mit ihren eigenen Maßstäben vergleicht und dann Urteile fällt, die vom Wesentlichen wegführen. Ebenso verwundert der Satz, dass Jesus „besserwisserisch“ die Hohenpriester stehen lässt, wenn er seine Ruhe haben will.
Gerlinde Segeritz, Lauda-Königshofen
Jesus ist nicht besserwisserisch, sondern führt auf das Wissen der Hohepriester und Ältesten gemäß der Tora zurück. Ein Wissen, das bei Zöllnern und Sündern aus der Umkehrpredigt Johannes’ des Täufers resultiert. Bevor man eine Perikope verzerrt, wäre es angeraten, den Kontext und das Alte Testament zu berücksichtigen.
Michael Rudolf, Jengen
Heiliges Haus
Zum Kommentar „Sind Räume heilig?“
Dirk Müller trifft das Wesentliche sehr gut, wenn er schreibt, dass die Nähe Gottes nicht an Gebäude gebunden ist. Dennoch spricht Stefan Weigand einen wichtigen Aspekt der Frage an: wir brauchen „andere“ Orte – Orte, die uns aus dem Alltagsgetriebe herausholen. Dort können wir des Heiligen bewusstwerden, dort können wir Gott begegnen – und dann die Begegnung, das Bewusstsein von Gottes Schöpfungskraft und Heilswirken in unseren Alltag mit hineinnehmen.
Ursula Engelhardt, Fürth
Ich kenne keinen Kirchgänger, der sagt, man könne nur in einer Kirche beten und nicht zu Hause oder in der Natur. Wenn ich in eine Kirche gehe, ist das ein Akt des gemeinsamen Gebetes vor dem Gott, den ich mit den anderen gemeinsam suche. Wo wir in dieser Atmosphäre zusammenkommen, werden wir von Gott, der „allein der Heilige ist“ (Gloria), als seine Kinder „geheiligt“. Warum also soll ich einen solchen Raum nicht „Gotteshaus“ oder einfach „heilig“ nennen dürfen? – Gut, dass es Kirchen gibt!
Dr. Andreas Müller, Bonn
Bekennerin
Zum Wochenrückblick „Aufgedeckt“
Danke, dass Sie an die Theologin Ludmila Javorová erinnern. Heimlich von Bischof Felix Maria Davideck zur Priesterin geweiht, leistete sie unter dem kommunistischen System in der Tschechoslowakei inhaftierten Katholiken seelsorglichen Beistand. Ludmilla Javorová und Bischof Davidek sind nach kirchlicher Tradition Bekenner (confessor). Vielleicht wiederfährt ihr ja doch noch eine Rehabilitation durch unsere Kirche. In Magnifica humanitas heißt es: „Es reicht also nicht aus, mit Worten zu bekräftigen, dass Männer und Frauen die gleiche Würde und die gleichen Rechte haben; dies muss sich in konkreten Entscheidungen niederschlagen.“
Franz Schmidbauer, Ihrlerstein
Briefwechsel
Zur Rubrik „Narr und Nonne“
Offenbar wissen die beiden gar nicht, worüber sie sich austauschen wollen, reden aneinander vorbei und haben keine Verständnisbasis. Sie servieren schriftliche Belanglosigkeiten, anstatt komprimiert und effizient Argumente vorzutragen. Von einem CIG erwarte ich Texte, die religiöse Bildung atmen und bei denen redaktionell sichergestellt ist, dass der Leser sie auf einer bestimmten Ebene nachvollziehen kann.
Andreas Pfichner, Unterhaching
Mit Hochspannung lese ich den Briefwechsel der beiden hochkarätigen Protagonisten. Das ist für mich eine kleine Glaubensanfrage und -lehre besonderer Art. Ein redaktioneller Glücksfall.
Eleonore Hillebrand, Neuss
Vielen Dank für diesen interessanten Briefwechsel. Eine echte Bereicherung!
Petra Marzinzig, Grasellenbach