Erstmals wurde eine deutschlandweite Studie zum Thema geistlicher Missbrauch in Geistlichen Gemeinschaften vorgestellt, die sich besonders mit Fällen in der „Christusgemeinschaft“ (Bistum Osnabrück) und bei „Totus Tuus Neuevangelisierung“ (Bistum Münster) befasst. Die Untersuchung von Forschenden an der Uni Münster um die Theologin Judith Könemann bietet einen breiten wie erschütternden Einblick in die – leider symptomatischen – Formen, Entstehungsbedingungen und begünstigende Faktoren des spirituellen Missbrauchs: Manipulationen, Ausnutzung des Charismas von Führungspersönlichkeiten, Pastoralmacht, Demütigungen, extremer Druck oder umfassende Kontrolle.
Auch theologische Begriffe wie Gehorsam, Demut, Nachfolge oder Hingabe wurden instrumentalisiert. Zur Prävention empfiehlt die Studie neue Schutzkonzepte, Präventions- und Interventionsbeauftragte, regelmäßige Visitationen, einen Reflexionsprozess bei den Kirchenverantwortlichen sowie eine Verankerung des spirituellen Missbrauchs als Straftatbestand im kirchlichen Recht.