IHRE POSTLeserbriefe

Ergänzen

Zum Editorial „Paradoxien“.

Das lineare Denken isoliert das System: Es betrachtet den Computer wie eine Maschine in einem Labor. In dieser isolierten Welt stimmen die linearen Ergebnisse perfekt. Ein Algorithmus ist effizienter, ein Code ist fehlerfrei. Hingegen integriert das paradoxologische Denken die Welt: Es betrachtet den Computer eingebettet in die menschliche Gesellschaft, Psychologie und Kultur. Sobald der Mensch ins Spiel kommt, bricht die lineare Logik zusammen. Weil der Mensch kein rationaler Computer ist, reagiert er auf rationale Systeme oft paradox. Man darf diese beiden Denkweisen nicht als Feinde sehen. Sie sind komplementär und haben sich gegenseitig zu ergänzen – und nicht populistisch zu bekämpfen – beim Denken wie beim Handeln!

Josef Eisend, Malsch

Vor die Wand

Zum Beitrag „Fürs Leben lernen“.

Was läuft schief in unserem Bildungssystem? Im Wesentlichen das: In den vergangenen 30 Jahren haben die (links-grünen) Schulreformer erfolgreich folgendes Programm verbreitet: Lernen muss Spaß machen! Schule ist weniger ein Ort intensiven Lernens, sondern der Ort der Offenheit für alles. Hohe Anforderungen machen Kinder depressiv. Die Folge ist breite Mittelmäßigkeit. Und die Enttäuschung und Demotivierung der Leistungswilligen. So wird ein einst vorbildliches Bildungssystem systematisch vor die Wand gefahren.

Friedhelm Bestek (online)

Salz der Erde

Zum Zeitgang „Ein neuer Durst nach Gott?“.

Der Artikel zu steigenden Erwachsenentaufen in Frankreich – eher jüngere Leute – fächert unterschiedliche Motive auf. Selbst französische Bischöfe warnen allerdings vor allzu eiliger Begeisterung und üben sich in verhaltener Freude. Dabei müsste doch das Wort Jesu „Ihr seid das Salz der Erde“ zu großer Hoffnung führen. Ein paar Körner Salz geben einer Suppe unverwechselbaren Geschmack. Ich persönlich freue mich ungemein über die neue Zuwendung zur christkatholischen Glaubensgemeinschaft in unserem weithin religionsfernen Nachbarland.

Adolf Hochmuth, Treuchtlingen

Verantwortlich

Zum Kommentar „Die zweite Bandmauer“.

Natürlich sind wir an der AfD selber schuld – aber das ist auch Demokratie. Die „Altparteien“ regieren halt schlecht. Nehmen Sie den Wohnungsmarkt in Berlin ... klar, dass eine Partei, die das Thema anspricht und ernst nimmt, auch gewählt wird. Das ist ein Problem für Berlin. Und für das Marketing ist die Regierung selber verantwortlich – wer so stümperhaft Wahlkampf macht wie die CDU in diesem Jahr, der wird halt nicht mehr gewählt.

Stephan Siegel, Frankfurt (Main)

Ihr Artikel belegt erneut, dass Sie eher gesellschaftliche Gruppen, Kirchen und Verbände für das Desaster der Wahl in Sachsen-Anhalt verantwortlich machen als die demokratischen Parteien. Selbst jetzt gibt es noch kein Verbotsverfahren gegen die AfD, trotz zahlreicher verfassungsrechtlicher Bedenken und Beurteilungen. Mit der AfD ist ein Meinungsaustausch in guter demokratischer Weise nicht möglich.

Alfred Dilger, Rees

Differenzierung tut not, zwischen hohen AfD-Parteifunktionären und -Wählern, zwischen Rechten, Besorgten und Empörten, zwischen Zerstörungswilligen und Ihr-Recht-Einfordernden. Das bedeutet Argumente hören und prüfen, unbefriedigte Bedürfnisse, die hinter negativen Gefühlen stehen, ernst nehmen, aber keinesfalls Beliebigkeit: Ich kann vieles logisch verstehen, ohne es automatisch auch gutzuheißen.

Norbert Müsch, Rees

Aha-Erlebnis

Zur Zeitung allgemein

Mir ist Christ in der Gegenwart vor Monaten „über den Weg gelaufen“, als ich im Kölner Domforum den guten Cappucino genossen habe. Ich habe mir aus dem Zeitungsständer eher zufällig Christ in der Gegenwart herausgenommen. Der Titel war mir unbekannt. Doch dann hatte ich ein wirkliches Aha-Erlebnis, als ich mich in die Texte vertiefte. Und dabei ist es geblieben. Inzwischen habe ich die Zeitschrift abonniert. Ich bin übrigens evangelisch.

Ingrid Bahß (online)

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