IHRE POSTLeserbriefe

Demokratisch?

Zum Kommentar „Land unterm Brennglas“

Ich möchte dem Autor eigentlich in fast allen Aussagen zustimmen. Allerdings kann ich die Aussage des Ministers Ben-Gvir nicht mit Provokation abtun. Dieser Minister dient nicht seinen Landsleuten, seiner jüdischen Religionsgemeinschaft, wenn er Menschen das Menschsein abspricht. Die seit vielen Jahren unter Netanjahu regierenden Parteien erfüllen die Grundsätze einer demokratischen Regierung nicht mehr. Israel ist längst kein Vorbild mehr im Nahen und Mittleren Osten.

Gert Scholand, Siegburg

Hat nicht gerade eine überzogene Israelfreundlichkeit, verursacht durch geschichtsbedingte festgefahrene Schuldkomplexe, dazu geführt, dass von israelischer Seite her immer wieder Neuansiedlungen auf palästinensischer Seite relativ kritiklos hingenommen wurden? Wenn nach dem Angriff der Hamas das israelische Militär das Gaza-Gebiet weitgehend zerstörte, Zehntausende in den Trümmern verstarben und viel Tausende noch wohnungslos sind, so scheint das inzwischen vergessen zu sein.

Simon Kirschner, Gaimersheim

Politiker wie Itamar Ben-Gvir sind nur die Spitze eines Eisbergs, der die radikal-zionistische Ideologie des israelischen Staates ist. Wo wäre der jüdische Staat heute, wenn das Denken eines Martin Buber und eines Judah Magnes bei der Gründung Israels bestimmend gewesen wäre?

Winfried Belz, Wilhelmsfeld

Der Autor schreibt, dass in Israel selbst vergleichsweise wenig Proteste gegen Ben-Gvirs „Stunts“ zu hören sind. Es ist im Gegenteil aber so, dass es in Israel tatsächlich erhebliche und auf breiter Ebene geäußerte Kritik gegen Ben-Gvir gibt, über die bei uns in den Medien allerdings kaum berichtet wird. Könnte es sein, dass wir deswegen nicht viel davon hören, weil es kein Skandalisierungspotenzial hat?

Wolfgang Röckl (online)

Zeitenwende

Zum Artikel „Vom Primat der Praxis im unheilbaren Schlammassel“

Ja, die Menschen des Südens dürfen zu Recht fragen, wann eigentlich kein Krieg war. Kriege, in die die Mächte des Nordens immer irgendwie involviert waren. Als Waffenlieferanten, als Wirtschaftsprofiteure und so weiter. Ich ärgere mich seit gut vier Jahren ebenso über dieses Wort der so genannten „Zeitenwende“. Als Mensch in diesem Land und als Christ kann ich dem nur ein klares „Nein“ entgegenhalten. Wir haben bestenfalls einen Rückschritt in Zeiten großer Aufrüstung, wie wir es im vergangen Jahrhundert schon mehrfach hatten.

Klaus Friedrich, Friedrichshafen

Zueinander

Zum Zeitgang „Abgrenzung ist nicht unschuldig“

Wie dankenswert ist doch der Artikel von Mouhanad Khorchide. In diesem Sinne bin ich meinen muslimischen Schülerinnen und Schülern dankbar, die mich, den christlichen Religionslehrer, den sie in meinem zweiten Fach Kunst erlebten, baten, doch mit meiner Religionsklasse einmal zu ihnen in die Moschee zu kommen. Das tat ich, und es entwickelte sich seit den 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts im Raum Walldorf bei Heidelberg bis heute ein lebendiges Zueinander von Kirche und Moschee.

Alf Osman, Walldorf

Baumeister

Zum Artikel „Christus auf der Baustelle“

Herzlichen Dank an die Autorin für ihre Gedanken. Hier wird fassbar und klar zum Ausdruck gebracht, was den Kern des Christseins ausmacht: Göttliche Gegenwart durch Jesus als „Baumeister“ in seiner Nachfolge auf der Baustelle unseres Menschseins. So müsste eine lebendige Pastoral aussehen.

Dr. Klaus Porstner (online)

Positionieren

Zum Editorial „Kontrovers“

Ein großes Lob von meiner Seite für die Neuausrichtung des Christ in der Gegenwart. Die neue Ausrichtung, die sehr viel politischer und gesellschaftskritischer ist als früher, finde ich sehr gut. Kirche und somit auch CIG sind gefragt, sich zu den Themen unserer Zeit zu positionieren. Das fordert auch der Name – „Christ in der Gegenwart“. Theologische Fachblätter gibt es schon genug.

Ulrich Bertram, Münster

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