7 Momente aus 7 TagenGleichnishaft

Eine Woche in Gleichnissen.

Am ersten Schultag ist ein Junge direkt in den falschen Bus eingestiegen“, erzählt mir ein Freund, der in Hessen als Lehrer arbeitet. „Ich musste dann 40 Minuten fahren, um ihn abzuholen.“ Es ist eine ganz alltägliche Geschichte und doch erinnert sie mich direkt an das Gleichnis vom verlorenen Schaf, das der gewissenhafte Hirte wieder zur Herde zurückbringt (vgl. Lk 15,4ff.).

1 | Deutschland. Auch wer in den richtigen Bus steigt, kann sich vom Schulanfang überfordert fühlen. Darauf wies Thomas Stephan, Schulseelsorger im Bistum Speyer, hin. „Jeder fünfte Jugendliche ist von psychischen Gesundheitsproblemen betroffen.“ In Speyer wird inzwischen ein eigenes Erste-Hilfe- Set für die mentale Gesundheit im Schulbetrieb angeboten.

2 | Salzburg. Ähnlich verloren wie das Schaf im Gleichnis mögen sich auch die Schafe gefühlt haben, die in der neu inszenierten Franz-von-Assisi-Oper im Rahmen der Salzburger Festspiele ins Stück eingebunden wurden. „Tiere stellen in ihrer Selbstvergessenheit immer etwas Besonderes auf der Bühne dar (wie Kinder auch)“, schreibt Kulturreporterin Christine Lemke-Matwey in der Zeit.

3 | Italien. Können „verlorene Schäfchen“ nach dem Tod symbolisch in die Herde zurückkehren? In Italien wurden jetzt zwei bereits geplante kirchliche Trauerfeiern abgesagt, weil bekannt wurde, dass die Verstorbenen bei den Freimaurern engagiert waren. Katholiken, die Freimaurerlogen angehören, befinden sich nach offizieller Lehrmeinung in einem „Zustand schwerer Sünde“.

4 | USA. Jesus schließt an die Erzählung vom Schäfer das Gleichnis der verlorenen Drachme an. Deutlich mehr hat Unternehmer Elon Musk seit dem Börsengang seiner Firma SpaceX eingebüßt. Der kurzzeitige Billionär hatte sein Vermögen zwischenzeitlich mehr als halbiert. Eine weitere Erinnerung, dass es immer nur auf dem Papier existiert hat.

5 | Leipzig. Mit dem Drohnen-Anschlag auf dem Leipziger Flughafen hat sich gezeigt, dass in der deutschen Sicherheitsstruktur wohl auch etwas Geld fehlt. Jetzt werden DNA-Spuren auf der Drohne ausgewertet, einige Medien berichten von Spuren zu russischen Netzwerken.

6 | Armenien. Nach den Gleichnissen von Schaf und Drachme folgt die Geschichte vom barmherzigen Vater, der die Übertretungen des Sohns verzeiht. In Armenien ist die Situation jetzt verfahrener: Sechs Bischöfe der armenisch-apostolischen Kirche und ihr Oberhaupt, Katholikos Karekin II., fanden sich auf der Anklagebank eines staatlichen Strafgerichts wieder. Die Kirchenführer hatten einen unliebsamen Bischof aus dem Amt enthoben, der daraufhin vor einem weltlichen Gericht geklagt hatte. Es ist ein Prozess, der nicht nur in Armenien die Gemüter erhitzt.

7 | Mainz. Wer als Laie in Mainz predigt, muss dagegen keine „Strafverfolgung“ befürchten. Bischof Peter Kohlgraf gab jetzt öffentlich bekannt, dass er Laienpredigt während einer katholischen Messfeier nicht sanktioniere. Zwar könne er es kirchenrechtlich nicht erlauben, aber er werde „nicht disziplinarisch eingreifen“, sagte er auf katholisch.de. Ein wirklich guter Hirte weiß wohl, wann er seinen Schafen hinterherläuft – und wann besser nicht.

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