Freiraum Kunst“ – weithin sichtbar auf das Schlossdach gesprüht, markiert der Schriftzug einen Szenenwechsel im Amtssitz des Bundespräsidenten: Bevor Schloss Bellevue für Jahre saniert wird, öffnet es bis Ende Juni mit einer Kunstausstellung die Türen für die Öffentlichkeit. „Kunst ist kein Luxus, sondern essenzieller Teil der demokratischen Debatte“, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Eröffnung. Die passend zur Arbeiter- und Bürgerinnenrepublik ohnehin recht schlichten Räume präsentieren sich in diesen Tagen gänzlich leer. Sie machen Platz für die Bedeutungsoffenheit der Kunst. Was für ein wohltuender Kontrast zur Inszenierungssucht eines prunkverliebten Donald Trump.
Das Projekt hätte vermutlich auch Richard Wagner gefallen, der der Kunst eine zentrale Rolle für die Verbesserung der Welt zuschrieb. Sein tief sitzender Antisemitismus bleibt dazu ein frappierender Widerspruch. In Bayreuth feiert sein „Bühnenfestspiel“ Jubiläum. Politisch konkreter geht es auf der Meinungsseite zu: Wer soll in einer alternden Gesellschaft unser Sozialsystem finanzieren? Und wo bleiben die konstruktiven Vorschläge aus den Reihen der Kirche, fragt Volker Resing.