Argumente
Zum Zeitgang „Ein nüchterner Idealist“
Sympathisch an Jürgen Habermas ist dessen Gedanke, dass sich das bessere Argument durchsetzen möge. Allzu oft wird allerdings der dafür notwendige herrschaftsfreie Diskurs torpediert, weil einer der Gesprächspartner stärkere Muskeln hat und diese spielen lässt. Der amerikanische Präsident Donald Trump verfügt über mehr als eine Million Soldaten und massenhaft Massenvernichtungswaffen. Papst Leo XIV. hat dagegen ein paar Schweizer Gardisten mit mittelalterlichen Hellebarden. Doch der Papst ist nicht wehrlos. Er wirkt dank der besseren Argumente, wenn er Trump auf dessen Unzulässigkeiten hinweist. Der amerikanische Präsident, der sich gerne religiös gibt, gerät dabei stets in Zorn, weil er weiß, dass der Papst recht hat.
Klemens Hofmann, Marbach
Die Würdigung von Jürgen Habermas habe ich in einem ungewöhnlichen Kontext gelesen: im Gespräch mit einem KI-Sprachmodell, das ich nutze, um Texte zu durchdringen. Gerade diese Konstellation ließ mich an einer Stelle innehalten. Habermas beschreibt Vernunft nicht als Instrument, sondern als das Medium, in dem Subjekte überhaupt erst entstehen – in sprachlicher Interaktion, noch bevor bewusste Absichten formuliert werden. Wer offen lerne, mache den Anderen nie zum bloßen Werkzeug: Der Andere verändert den, der fragt. Beides habe ich im Gespräch mit der KI an mir selbst beobachtet.
Benjamin Daniel Feirer (online)
Es brennt!
Zum Zitat der Woche
Es ist zu begrüßen, dass die katholische Weltkirche – vertreten durch Papst Leo – mittendrin ist, überall, wo es brennt. Die Kirche wird gern mit einem Schiff verglichen. Ob der Steuermann sieht, dass es nicht nur außerhalb des Schiffes brennt, sondern dass es auch innerhalb Brennpunkte gibt?
Roswitha Rother, Kaufbeuren
Antimodern?
Zum Artikel „Mit Gefühl und Verstand“
In dem Artikel wird Pius XII. als glühender Verfechter des Antimodernismus bezeichnet. Dieser Papst ist aber wegen anderer Themen im Gespräch. Die Bewegung des Antimodernismus in der katholischen Kirche wurde von Pius X. begonnen. Eine Folge war unter anderem der Antimodernismuseid. Johannes XXIII. hatte sehr darunter gelitten. Nach meinen Informationen hat Pius XII. die Vatikanischen Archive für die Forschung geöffnet.
Alfred Dilger (online)
Unerwartet
Zum Beitrag „Risiko und Chance“
Ich habe eine etwas andere Vorstellung von der Rolle der Mutter Maria bei der Hochzeit zu Kana. Mariens Nachricht an Jesus: „Sie haben keinen Wein mehr“, hängt wohl mit dem Durst der zwölf Apostel zusammen, die Jesus wohl zur Überraschung der planenden Brautleute mitgebracht hat. Für das einladende Hochzeitspaar liegt als Lösung nahe, dass Jesus mit seinen Freunden die Hochzeitsgesellschaft verlässt. Das könnte Maria ihrem Sohn mitgeteilt haben. „Meine Stunde ist noch nicht gekommen“ könnte auch bedeuten: Ich habe mich noch nicht entschieden, was ich tue. Von dem anschließenden Wunder war Maria wohl selbst überrascht. Sie hatte so was noch nicht erlebt bei ihrem Sohn.
Dr. Gerhard Steigerwald, Nürtingen
Zahl um Zahl
Zum Bericht „Zur Tafel, zu Tisch“
Dem Artikel entnehme ich, dass die Lebensmittelpreise seit 2020 um 30 Prozent gestiegen sind. Gleichzeitig seien die Renten nur geringfügig angepasst worden (laut Andreas Steppuhn, Vorsitzender der Tafel Deutschland e.V.). Der kumulierte Rentenerhöhungswert zwischen 2020 und 2026 liegt in Westdeutschland bei 21,50 Prozent und in Ostdeutschland bei 25,21 Prozent. Natürlich verstärkt die Diskrepanz zwischen Inflationsrate und Rentenerhöhung die bestehende Armutsproblematik. Wer aber hier von „nur geringfügig angepassten“ Renten spricht, reiht sich ein in die Reihe der prinzipiellen Schlechtredner von Staat, Politik und Gesellschaft. Vergleichen Sie Zahlen mit Zahlen und nicht Zahlen mit Aussagen.
Andreas Brucker (online)