gebührenpflichtiger EINTRITT IN DEn KÖLNER DOMEin katholischer Tabubruch

Ein Besuch des Doms ist für viele Köln-Reisende Pflicht. Kaum aus der Bahn, steht man in einem der schönsten Sakralgebäude der Welt. Um innezuhalten und zu beten – oder auch nur zu staunen. Letzteres aber kostet bald Eintritt.

Sechs Millionen Besucher verzeichnet der Kölner Dom jährlich. Wie viele von ihnen wohl „Touristen“ und wie viele „Betende“ sind? Bisher war diese Frage belanglos. Doch ab dem 1. Juli wird Eintritt verlangt: zwölf, ermäßigt sechs Euro. Jedenfalls dann, wenn man den Dom über das Hauptportal betreten will. Man zählt dann zu den offiziell 99 Prozent „Touristen“. Wer sich dem einen Restprozent zurechnet, hat über den Nordeingang weiterhin gratis Zutritt. Aber nur bis zum Nordquerhaus, wo eine Schmuckmadonna mit Kerzenbänken steht. Zum stillen Gebet. Kostenlos ins Dominnere in seiner ganzen Pracht? Ab 1. Juli no way, es sei denn, es ist Gottesdienst oder man ist schwerbehindert oder unter 13 Jahre alt oder Mitglied im Zentralen Dombauverein.

Wie viele Kinder und Enkel es wohl gibt, die mit ihren Eltern oder Großeltern regelmäßig in den Kölner Dom gehen? Wie groß sind die immer wieder neu staunenden Kinderaugen? Ist das bald alles Vergangenheit? Natürlich: Kleinere Kinder haben wie erwähnt weiterhin freien Zutritt. Und als Erwachsener kann man Mitglied im Zentralen Dombauverein werden, damit bleibt man ab 20 Euro Jahresbeitrag ebenfalls eintrittsfrei. Aber was ist mit denjenigen, die einfach mal absichtslos hineinschnuppern wollen, ohne zu wissen, was dort mit ihnen geschieht? Kommen die auch dann noch, wenn sie zunächst die Geldbörse zücken müssen?

Wie ist das in anderen Ländern? Wer die Sagrada Família in Barcelona betreten will, zahlt ohne Ermäßigung 26 Euro. Für einen Besuch des Wiener Stephansdoms sind 29 Euro fällig, für den Mailänder Dom 13,50 Euro, für die Saint Paul’s-Kathedrale in London 31 Euro. Die Hagia Sophia in Istanbul erhebt – nur für Nichtmuslime – 25 Euro.

Sind Gebühren für den Besuch berühmter Gotteshäuser also recht und billig? Auch in Deutschland gibt es einige kostenpflichtige Beispiele wie die Dome zu Merseburg und Naumburg, den Berliner Dom oder die Kirche Sankt Sebald in Nürnberg. Sie sind alle evangelisch. Unter den katholischen Kirchen in Deutschland ist das, was das Kölner Domkapitel beschlossen hat, ein Tabubruch.

Natürlich: Die Kosten für das Wahrzeichen sind enorm. Dompropst Guido Assmann beziffert sie auf jährlich 16 Millionen Euro. 4,7 Millionen Euro steuere das Erzbistum Köln bei, 4 Millionen Euro der Dombauverein. 1,3 Millionen Euro das Land NRW, 200000 Euro die Stadt Köln. Durch Eintrittsgelder für Turmbesteigungen und den Besuch der Schatzkammer erwirtschafte man bereits Einnahmen. Und doch fehlten jährlich 4 Millionen Euro.

Interessant: Im säkularen Frankreich sind große Kathedralen wie Notre-Dame oder Sacré-Cœur in Paris sowie jene in Reims und Chartres kostenfrei zugänglich. Auch für einen Besuch des Petersdoms im Vatikan müssen die Pilger keinen Eintritt bezahlen – oft allerdings stundenlang anstehen. Wer das nicht will, kann für sieben Euro eine Audiotour mit Schnell-Einlass buchen.

Der Theologe und Psychiater Manfred Lütz, Mitglied der Päpstlichen Akademie für das Leben, warnt vor einer Musealisierung des Kölner Doms. „Es ist eigentlich ein Schritt der Verabschiedung des Christentums aus der deutschen Öffentlichkeit“, sagte Lütz im Deutschlandfunk. „Der Kölner Dom hat ja auch einen symbolischen Charakter. Die Kirche musealisiert sich.“ Genau das sollte Kirche nicht, wenn sie ein ganz anderer, zugleich lebendiger Ort bleiben will.

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