EditorialZweifel erlaubt

Sie erlebte die Islamische Revolution im Iran und stritt vorm Einschlafen mit Gott. Erinnerung an die verstorbene Comic-Künstlerin Marjane Satrapi.

Als ich erfahren habe, dass die iranisch-französische Zeichnerin Marjane Satrapi Anfang Juni verstorben ist – im Alter von gerade einmal 56 Jahren –, zog ich nach Jahren wieder ihre Comic-Biographie Persepolis aus dem Regal. In holzschnittartigen Bildern erzählt die Autorin, wie sie als Zehnjährige die Islamische Revolution in ihrer Heimat miterlebte. Genauso spannend fand ich aber die theologische Dimension: Die kleine Marjane hat eine sehr lebendige Beziehung zu Gott, der im Comic ganz klassisch erscheint, als alter Mann mit Bart, und mit dem sie spricht wie mit einem Freund. Gleichzeitig spürt sie Glaubenszweifel, als die Welt um sie herum ins Wanken gerät. Irgendwann steht sie auf ihrem Bett und schreit Gott an: „Verschwinde aus meinem Leben!“

Diese offene, ehrliche Darstellung von Zweifeln hat mich berührt, als ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe – und tut es noch. Was fehlt, wenn solche Unsicherheiten keinen Platz mehr haben, wenn aus Glaube (scheinbar) Gewissheit wird, berichtet Klaus Nelißen, der in London ein christliches Führungsseminar besucht hat. Und Thomas Brose erinnert an einen weiteren Todesfall in diesem Juni: an den Politiker, Autor und Christen Hans Maier.

Anzeige: Die ignorierten Frauen der Bibel. Was im Gottesdienst nicht gelesen wird. Von Annette Jantzen
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