Abstract / DOI
Scham im Neuen Testament. Eine Emotion zwischen kulturellem Kolorit und theologischer Transformation. Die Schriften des Neuen Testaments zeigen eine facettenreiche Auseinandersetzung mit dem Thema Scham. Erstens knüpfen sie an die gängigen Diskurse über Ehre und Scham an, die für die Kulturen des Mittelmeerraums im Allgemeinen charakteristisch waren. Zweitens üben ihre Verfasser (insbesondere Paulus, Markus, Lukas sowie die Verfasser des Hebräerbriefes und des 1. Petrusbriefes) eine grundlegende Kritik an den griechisch-römischen Kategorien von Scham und Ehre, indem sie das Evangelium und den gekreuzigten Christus als theologische Neubewertung kultureller Werte darstellen. Drittens wird Scham trotz dieser Neubewertung nicht aus der christlichen Ethik verbannt, sondern vielmehr transformiert und innerhalb einer Ethik der gegenseitigen Liebe, Demut und Achtung in einen neuen Kontext gestellt.
Shame in the New Testament: An Emotion between Cultural Imprint and Theological Transformation. The writings of the New Testament display a multi-faceted treatment of shame. First, they participate in conventional discourses on honour and shame that characterized Mediterranean cultures in general. Second, their authors (especially Paul, Mark, Luke, and the authors of Hebrews and 1Peter) provide a fundamental critique of the Greco-Roman categories of shame and honour by presenting the Gospel and the crucified Christ as a theological re-evaluation of cultural values. Third, despite this reassessment, shame is not banned from Christian ethics, but rather transformed and re-contextualized within an ethics of mutual love, humility, and respect.
DOI: 10.23769/communio-55-2026-583-596