Abstract / DOI
Eigentum und Demokratie. Die Ausgestaltung der Eigentumsordnung als politische Aufgabe. Der Beitrag rekonstruiert den Wandel der neuzeitlichen Eigentumstheorie und zieht daraus Konsequenzen für die demokratische Gestaltung der Eigentumsordnung. Ausgangspunkt ist die über Jahrhunderte stabile «Okkupationstheorie» von Cicero bis Pufendorf, der zufolge Privateigentum kein Naturrecht, sondern Ergebnis menschlicher Übereinkunft war – verbunden mit einer im Entstehungsgrund selbst angelegten Sozialpflichtigkeit. John Locke bricht mit dieser Tradition: Indem er Eigentum aus individueller Arbeit statt aus Konsens herleitet, löst er es von seiner sozialen Bindung. Immanuel Kant widerspricht dieser Arbeitstheorie und begründet Eigentum stattdessen als Rechtsinstitut, das erst im «bürgerlichen Zustand» durch wechselseitige Anerkennung entsteht. Diese Einsicht verbindet sich mit der modernen Rechtsbündeltheorie (Honoré, Becker, Waldron): Eigentum ist kein einheitliches Ding, sondern ein politisch und rechtlich zu gestaltendes Bündel von Berechtigungen, Freiheiten und Verpflichtungen. Daraus folgt die Forderung nach einem «Bürgergeld» beziehungsweise «Demokratiegeld» als materieller Voraussetzung dafür, dass alle Bürger tatsächlich an der demokratischen Aushandlung der Eigentumsordnung teilhaben können.
Property and Democracy. Shaping the Property Order as a Political Task. The article traces the transformation of early modern property theory and its consequences for the democratic shaping of the property order. From Cicero to Pufendorf, the long-stable «occupation theory» held that private property was not a natural right but the result of human agreement, bound to a social obligation inherent in its origin. John Locke broke with this tradition, deriving property from individual labor rather than consent, detaching it from its social bond. Kant rejected this labor theory, grounding property instead as a legal institution arising only within the «civil condition» through mutual recognition. This converges with the modern bundle-of-rights theory (Honoré, Becker, Waldron): property is a bundle of entitlements, freedoms, and obligations to be shaped politically. Hence the demand for a «citizen’s income» or, better still, a «democracy income» as a material precondition for democratic participation in shaping the property (and, more generally, the political) order.
DOI: 10.23769/communio-55-2026-510-519