BuchbesprechungDie Farbe des Kreuzes

In ihrem neuesten Buch zeigt Cornelia Steinfeld die Stationen des Kreuzweges in einer abstrakt-meditativen Form.

Schwarzes X auf blassrotem Grund, im Zentrum ein leuchtend weißer Kreis, darüber vier Reihen mit grauen und schwarzen kleineren Kreisen
„Jesus trägt das Kreuz“ © Cornelia Steinfeld

Kreuzwege in Kirchen oder im Freien stellen seit Jahrhunderten eine beliebte Andachtsform dar – besonders in den Kartagen. In traditionell vierzehn Stationen begleitet man Jesus bei seiner Verurteilung zum Tode, seinen Stürzen unter dem Kreuz, seinen Begegnungen mit seiner Mutter und Veronika mit dem Schweißtuch und schließlich bei seiner Kreuzigung und Grablege. In moderneren Kreuzwegen findet man zudem häufig eine Zuversicht spendende fünfzehnte Station: Die Auferstehung. Durch die Meditation der verschiedenen Schritte können sich die Gläubigen vom Leiden, Sterben (und der österlichen Wendung) berühren lassen, sie mit der eigenen Biografie resonieren lassen sowie Trost und Hoffnung schöpfen.

Bedauerlicherweise sind Kreuzwege in den letzten Jahrzehnten fast ein wenig in Vergessenheit geraten. Umso erfreulicher ist es, dass sich die Grafikdesignerin Cornelia Steinfeld, die mit ihrer abstrakt-reduzierten Bildsprache bereits die vielbeachteten Bücher Die Bibel in Formen und Farben und Trauer in Formen und Farben veröffentlicht hat, nun dieser besonderen Andachtsform angenommen und ihr eine moderne wie meditative Note verliehen hat. In ihrem pünktlich zur österlichen Fastenzeit publizierten Buch „Der Kreuzweg in Formen und Farben“ findet man zu jeder der fünfzehn Stationen eine charakteristische Steinfeld-Grafik, kombiniert mit Bibelzitaten und tiefgründigen Texten des Religionspädagogen Rainer Oberthür. Die Kreuzwegbilder sind hier nicht (wie so oft) von figürlicher, sondern von abstrahierend-geometrischer Natur. Einfache, klare Linien bestimmen die Szenerien. Jesus erscheint dem Leser als weißer Kreis, ja als runder Lichtpunkt. Nur einmal wird diese Darstellung auf eindrückliche Weise unterbrochen: In der zehnten Station berauben die Soldaten Jesus nicht nur seiner Kleider, sondern auch seiner Würde – und sein weißer Kreis zersplittert förmlich und droht zu zerbrechen. Gerade diese einfache und doch ausdrucksstarke Reduziertheit lädt besonders gut zur einfühlsamen Schau ein.

Zudem gelingt es Steinfeld mit jedem Bild, die Essenz der jeweiligen Station herauszudestillieren und eindrücklich zu vermitteln. Auch das Farbsystem ist durchdacht: So steht beispielsweise Rot unter anderem für Leid, Grün für die kleinen Hoffnungsmomente, Schwarz bestimmt die Grafiken rund um die Kreuzigung und den Tod Jesu. Die Grablege – derer wir am Karsamstag gedenken – ist hingegen bereits in Dunkelblau gehalten. Noch ist es dunkle Nacht, aber der Himmel lässt bereits einen Hauch von Verwandlung erkennen. Die Auferstehung erstrahlt dann ganz in hellem Himmelblau und Weiß.

Ergänzt und bereichert werden die Grafiken, wie bereits erwähnt, von unterschiedlichen meditativen Texten Oberthürs, in denen er spirituelle Impulse bietet, sich in dargestellte Personen hineinversetzt oder kulturgeschichtlich wie theologisch über das Kreuz nachdenkt: „Zwischen Höhe und Tiefe wird Jesus Christus am Kreuz ausgespannt, umarmt die Welt und führt Himmel und Erde zusammen. Gott und Mensch begegnen sich.“ Nicht vergessen werden dürfen an dieser Stelle die Beiträge verschiedener Kinder, die sowohl spannende Fragen (die sie Jesus gerne einmal stellen würden) als auch äußerst berührende wie kluge Antworten auf Fragen zur Menschwerdung und Kreuzigung beigetragen haben: „Wer selbst am Kreuz stirbt, weiß, wie weh das tut in der Seele. Wenn die Menschen Gott um Hilfe bitten und Gott selber gelitten hat, kann er das verstehen.“

Am Ende komplettieren Informationen vom Religionspädagogen und Autor Andreas Thelen-Eiselen rund um die jahrhundertealte Geschichte der Kreuzwegandachten den Band. Wenn Sie also die österliche Bußzeit und besonders die Kartage für eine Kreuzwegmeditation nutzen, sich von Jesu Leidensgeschichte erschüttern lassen und schließlich aus der österlichen Auferstehungsfreude neue Hoffnung und Kraft schöpfen wollen, dann sei Ihnen dieses besondere Buch für Auge, Herz und Seele wärmstens empfohlen!

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Steinfeld, Cornelia; Oberthür, Rainer

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