Verantwortung übernehmen heißt, sich der Wirklichkeit nicht zu verschließen, die Konsequenzen seiner Handlungen zu spüren und dort einzustehen, wo das eigene Handeln Wirkung zeigt. Nachrichten der Woche, in denen das nicht immer gelingt.
1 | Kenia. Sich der Realität zu stellen, heißt für Wanjira Mathai aus Kenia, Bäume zu pflanzen, statt zuzusehen, wie durch Starkregen der Boden erodiert. Dafür erhält die Umwelt- und Sozialaktivistin nun den mit 25000 Euro dotierten Karl-Kübel-Preis. Sie setzt sich seit Jahren mit ihrer Organisation für Aufforstung ein. Afrikanische Länder geben heute schon etwa ein Sechstel ihres Bruttoinlandsprodukts für Klimaschutz aus, obwohl der afrikanische Kontinent nur vier Prozent der globalen Emissionen ausstößt.
2 | Deutschland. Mit der Kampagne „Deine Geschichte ist noch nicht zu Ende!“ machten Mediziner, Psychologen und Kirchen auf den Welttag der Suizidprävention am Donnerstag aufmerksam. Jedes Jahr sterben in Deutschland 10000 Menschen durch Suizid. Das ist mehr als durch Verkehrsunfälle, illegale Drogen und Gewaltverbrechen zusammen!
3 | Österreich. Ein Zisterzienser, der an einer Hochschule in Österreich Moraltheologie unterrichtete, muss nun die Konsequenzen seiner Aussagen tragen. Edmund Waldstein hat auf seinem Blog die Todesstrafe für Häretiker gefordert und wurde deshalb freigestellt.
4 | Kalkutta. Mutter Teresa übernahm Verantwortung für unzählige Kranke in Kalkutta. Dafür wurde sie vor genau zehn Jahren heiliggesprochen. Allerdings gab es in der Zwischenzeit auch immer wieder Kritik: So wurden ihr die katastrophalen Zustände in ihren Hospizen, eine mangelhafte Schmerztherapie für unheilbar Kranke sowie eine intransparente Buchhaltung vorgeworfen.
5 | Serbien. Der unter dem Namen „Schlächter des Balkan“ bekannte Kriegsverbrecher Ratko Mladić wird trotz Widerständen aus Brüssel in einer orthodoxen Kirche in Belgrad aufgebahrt. Eine Gedenkfeier und ein Trauermarsch im Beisein zahlreicher serbischer Politiker sind geplant. Ob Serbien die Folgen der Verherrlichung eines Kriegsverbrechers im Rahmen seiner EU-Beitrittskandidatur spüren wird, wird sich noch zeigen.
6 | Weltweit. Die UN-Vollversammlung hat einen weiteren Schritt zu einer konsequenten Gleichstellung der Weltregionen gemacht. Die Mehrheit stimmte für eine neue Weltkarte. Die aus dem 16. Jahrhundert stammende Mercator-Karte stellt die Kontinente nur verzerrt dar. Afrika schrumpft hier im Vergleich zu anderen Ländern etwa auf die Hälfte seiner Größe. Was für die Luft- und Seefahrt gut geeignet ist, sei gesellschaftlich als Machtgeste Europas verstanden worden.
7 | Hongkong. Auch der Kardinal von Hongkong, Joseph Zen Ze-Kuin, will seiner Verantwortung nachkommen. Weil er die dortige Demokratiebewegung unterstützt hatte, wurde der 94-Jährige zu einer Geldstrafe verurteilt. Über einen Fonds bot er Demonstrierenden, die gegen Peking auf die Straße gegangen waren, finanzielle und rechtliche Unterstützung an. Indem er das Verfahren vor den Obersten Gerichtshof bringt, erhofft er sich ein Wiederaufleben der Zivilgesellschaft vor Ort.