7 Momente aus 7 TagenEinfach Heirat?

Der Wochenrückblick.

Meine jüngste Tochter hat einen gewissen Hang zu Trash-TV. Hochzeit auf den ersten Blick mag sie zum Beispiel: Psychotherapeuten stellen nach einem Casting-Prozedere Paare zusammen, die sich dann auf dem Standesamt erstmals begegnen und sofort rechtsgültig heiraten. Kameras begleiten die Frischvermählten anschließend auf der Hochzeitsreise und im Alltag. Nach sechs Wochen steht die Entscheidung an, ob sie sich wieder scheiden lassen wollen. Von bisher 66 Paaren haben 55 genau dies getan. Ich hätte ein solches TV-Format nicht für möglich gehalten. Aber ich lebe ja auch hinterm Mond. Von dort betrachtet finde ich folgende Variante besser:

1 | Von Eckernförde bis Oberstdorf. Sie trauen sich, und das bundesweit in 368 evangelischen Kirchen von Eckernförde bis Oberstdorf: Schwerpunktmäßig am letzten Freitag im Juni, teils aber auch zu einem anderen Zeitpunkt, ließen beziehungsweise lassen sich Paare im Rahmen der Aktion „Einfach heiraten“ evangelisch verheiraten oder segnen. Allerdings beteiligen sich die Landeskirchen im Osten Deutschlands kaum an dieser Aktion. Schade eigentlich.

2 | München. Manch Orgel erklingt zu Trauungen und Segnungen. Einige, wie die Rieger-Orgel der Christuskirche in München-Neuhausen, müssen jedoch generalsaniert werden. Zur Finanzierung verkauft der Kantor die Toccata aus der Symphonie Nr. 5 von Charles-Marie Widor. Er spielt das Stück einmal im Monat genau so weit, wie gespendet wird: Ein Takt kostet 100, drei Takte 250 Euro.

3 | Rom. Aus dem Takt geraten ist der Fußball in Italien. Während die WM in die heiße Phase kommt, sind die Stiefelkicker bekanntlich zum Zuschauen verdammt – zum dritten Mal in Folge. Nach einer nicht repräsentativen Umfrage der Südwest Presse drücken viele Italiener jetzt Deutschland die Daumen.

4 | Vatikan. Und für wen freut sich der Papst? Leo XIV. gilt als sehr fußballinteressiert, hält sich mit Sympathiebekundungen jedoch zurück. Viel wichtiger: Der Fußball sei beispielgebend für den Teamwork-Gedanken und müsse ein Instrument des Friedens sein, sagte er in einer Videobotschaft zum WM-Start.

5 | Erfurt. Ebenfalls am Ball sind die deutschen Bistümer: Alle zwei Jahre tragen sie ihre eigene Meisterschaft aus. Jede Partie dauerte knackige zwölf Minuten, gespielt wurde nur auf einer Hälfte des Fußballfeldes. Pro Team spielten sechs Kicker plus Torwart, Geschlecht oder Weihe waren ganz und gar gleichgültig. Im diesjährigen Finale holte sich Münster zum ersten Mal seit 2009 wieder den Titel.

6 | Havanna. Im bitterarmen Kuba hat man ganz andere Sorgen. Es fehlt an fast allem, jetzt sogar an Hostien. Um die Feier der Eucharistie in dem sozialistischen Inselstaat weiterhin zu ermöglichen, hat Puerto Rico bereits mit 300000 Hostien ausgeholfen, weitere 35000 kamen aus Panama.

7 | Billund. Wer dagegen Geld übrig hat, kann sich für 749,99 Euro ein Lego- Modell von der Basilika Sagrada Família vorbestellen. Mit über 12000 Teilen soll es eines der größten Sets aller Zeiten werden. Ob es das wert ist? Immerhin kann man in dem Modell dann auch seine Traumhochzeit nachspielen – ganz ohne Reality-TV-Casting.

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