Die white evangelical Christians sind eine wichtige Stütze für Donald Trump. Nicht zuletzt ihnen hat er seinen Wahlsieg 2024 zu verdanken, weil er es versteht, seine Interessen mit denen der religiösen Rechten zu verschmelzen. Für den Journalisten und Publizisten Arnd Henze ist klar: „Mit dem Zugriff auf die geballte Macht des Weißen Hauses erweist sich der christliche Nationalismus als eine der gefährlichsten Ideologien der Welt.“ In seinem Buch geht Henze diesem „Zweckbündnis“ auf den Grund. Er zeigt, wie sich Trump als Rächer stilisiert und damit für die Minderheit der religiösen Rechten zu einem wütenden Anführer wird.
Daneben stellt Henze, der Mitglied der 13. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland ist, auch Trumps „Gotteskrieger“ vor: Kriegsminister Pete Hegseth, Russel Vought, der für das Budget der Regierung verantwortlich ist, Stephen Miller sowie Charlie Kirk und J. D. Vance.
Die sich häufenden Vergleiche zwischen der Trump-Präsidentschaft und der NS-Zeit nimmt Henze zum Anlass, um sich dezidiert mit historischen Analogien auseinanderzusetzen. Diese seien eine Zumutung für die Erinnerungskultur. Dennoch müsse man mit aller historischer Sorgfalt über Parallelen und auch Unterschiede sprechen. Schließlich widmet sich Henze unter anderem mit Verweis auf Dietrich Bonhoeffer der Frage, wie sich die Demokratie retten lässt.
Wer sich intensiver mit dem Verhältnis von Macht, Gott und Nation in den USA befassen möchte, dem sei dieses Buch empfohlen. Mithilfe von QR-Codes wird an entsprechenden Stellen auf zusätzliches Material, etwa Reden von Trump, verwiesen. Aber auch ohne diese digitalen Zusätze bietet das Buch genügend Material für die Auseinandersetzung.
Henze selbst gibt an, dass er das Buch sehr viel hoffnungsvoller beende, als er es begonnen habe: „Denn je genauer ich hinschaue, desto sichtbarer werden auch die inneren Widersprüche des MAGA-Kults.“ Vor allem aber erwiesen sich Demokratie, Rechtstaatlichkeit und Zivilgesellschaft als deutlich resilienter als gedacht. Spätestens nach den Zwischenwahlen im November wird sich zeigen, wohin die USA steuern. Dana Kim Hansen-Strosche