Christen und Kirche in der DDRDas Vermächtnis von Konrad Feiereis

In der heutigen deutschen kirchlich-theologischen Landschaft spielt der Rückblick auf die ehemalige DDR mit ihrem offiziellen Atheismus und der sich daraus ergebenden schwierigen Situation von Christen und Kirchen kaum eine Rolle. Als Gegenmittel gegen das verbreitete Desinteresse kann dieser Tagungsband über den ostdeutschen Theologen Konrad Feiereis dienen. Er war von 1974 bis 1999 Professor für Philosophie am Philosophisch-Theologischen Studium in Erfurt und gehörte zusammen mit dem kürzlich verstorbenen emeritierten Erfurter Bischof Joachim Wanke zu den Exponenten eines neuen Selbstverständnisses der katholischen Kirche in der DDR. Zu diesem gehörten ein bewusstes Ernstnehmen der gesellschaftlichen und weltanschaulichen Situation im damaligen Ostdeutschland und der Versuch zum Verlassen des nicht nur aufgezwungenen, sondern auch selbst gewählten katholischen Ghettos.

Die Beiträge gelten zum einen persönlichen Erinnerungen an Feiereis und seine Lehr- und Vortragstätigkeit: Hier ist etwa der Text des Direktors der Katholischen Akademie Magdeburg, Reinhard Grütz zu nennen, der gleichzeitig eine Hommage an das Philosophisch-Theologische Studium Erfurt ist, „wo Fragen gestellt werden durften, die andernorts verpönt waren“. Feiereis habe seinen Platz in dieser „angefochtenen und vielschichtigen Freiheitsgeschichte“; er habe für interessierte Studenten geistige Wege geweitet.

Andere Beiträge befassen sich mit den von Feiereis trotz aller Schwierigkeiten vorangetriebenen Bemühungen um den christlich-marxistischen Dialog, der nach dem Ende der DDR weitgehend versandete. Der ehemalige Erfurter Fundamentaltheologe Michael Gabel würdigt unter dem Titel „Dialogbereites Christentum“ das entsprechende Engagement von Feiereis, vor allem seinen Vortrag bei dem Budapester Symposion von 1986, das vom vatikanischen Rat für die Nichtglaubenden mitveranstaltet wurde. Eberhard Tiefensee, Nachfolger von Feiereis auf dem Erfurter Lehrstuhl, resümiert, es sei „wohl doch einiges aus dem christlich-marxistischen Dialog und besonders aus seinen Defiziten zu lernen“. Das gilt auch für diesen anregenden und mit viel Sympathie für Konrad Feiereis verfassten Band insgesamt. Ulrich Ruh

Anzeige: Einfach Tiki. Mein Leben in Worten und Strichen. Von Werner Tiki Küstenmacher
HK Hefte

Die Herder Korrespondenz im Abo

Die Herder Korrespondenz berichtet über aktuelle Themen aus Kirche, Theologie und Religion sowie ihrem jeweiligen gesellschaftlichen und kulturellen Umfeld. 

Zum Kennenlernen: 2 Ausgaben gratis

Jetzt gratis testen
Thomas Brose, Holger Zaborowski (Hg.)

Matthias Grünewald Verlag, Ostfildern 2026, 157 S., 25,00 € (D)