Die Aufnahme der Wort-Gottes-Feier als eigenständige gottesdienstliche Form neben anderen im neuen Gotteslob – und dies ohne Kommunionfeier – markiert die allmähliche Normalisierung einer unsteten und in vielem problematischen Entwicklung seit den 70er Jahren des 20 Jh. Ausdrücklich heißt es jetzt, dass die Wort-Gottes-Feier neben der Tagzeitenliturgie eine «Vertiefung» dessen ist, was in der Eucharistie geschieht und so auf die Eucharistie bezogen ist.1 Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass die Wort-Gottes-Feier niemals an die Stelle der Eucharistie tritt. Gerade dies ist in den vergangenen Jahrzehnten nicht immer klar gewesen, und ist es vielfach bis heute nicht. Der Umgang mit den Wort-Gottes-Feiern am Sonntag im Verhältnis zur Eucharistie zeigt eine tiefer gehende Schwierigkeit mit einem konstitutiven Element der Sakramentalität der Kirche und ihrer liturgischen Vollzüge.
Die Darstellung der derzeitigen Praxis der Wort-Gottes-Feiern zeigt, dass die Gründe dafür, dass Wort-Gottes-Feiern am Sonntag gehalten werden sehr heterogen sind. Es ist nicht davon auszugehen, dass immer eine seelsorgliche Notsituation den Ausschlag gibt. Vielmehr spielen vielfach Faktoren eine Rolle, die nicht primär das geistliche und liturgische Bedürfnis der Menschen betreffen – etwa lokale Egoismen von Ortsgemeinden, Bequemlichkeit, wirtschaftliche Interessen, Berufsgruppen-Interessen, Bewahrung von Einflussmöglichkeiten.
War in den 70er Jahren des 20. Jh. – nach damaliger Einschätzung – die pastorale Notsituation Grund für die Möglichkeit von Wort-Gottes-Feiern, ist mittlerweile eine Verschiebung zu beobachten. Die Wort-Gottes-Feier hat sich verselbständigt, sie wird zunehmend als Feierform eigener Art mit einem Eigenrecht verstanden, die am Sonntag in Parallele zur Eucharistie tritt. Hinzu kommt, dass Diakone und pastorale Mitarbeiter die Wort-Gottes-Feier als ihre eigene Liturgie betrachten, die faktisch als gleichberechtigte Form die Eucharistie ersetzt und manchmal als Bastion verteidigt wird – bisweilen auch mit dem Anspruch, am Sonntag einen «eigenen Gottesdienst» zu haben.
Zudem vermengen sich mit der Frage nach den Wort-Gottes-Feiern am Sonntag auch Positionen, die nicht unmittelbar die Liturgie betreffen. Denn wenn etwa davon ausgegangen wird, dass die derzeit gültigen Zulassungsbedingungen für das Priesteramt eine Selbstauferlegung der Kirche sind, also jederzeit von der Kirche geändert werden können (und sollen), dann ist der von der Kirche auferlegte Verzicht auf die Eucharistiefeier aufgrund des Priestermangels nur schwer verständlich zu machen. In der Diskussion um die Wort-Gottes-Feiern am Sonntag spielen folglich eine ganze Reihe von Motiven und Argumenten eine Rolle, denen sehr unterschiedliche lehrmäßige und kirchenpolitische Voraussetzungen zugrunde liegen.
Der eine zentrale Grund für die Möglichkeit und behauptete Notwendigkeit von Wort-Gottes-Feiern am Sonntag, der die gesamte Diskussion seit den 70er Jahren des 20. Jh. durchzieht, ist die These von dem Erfordernis, dass die Kirche vor Ort bleibt, weil sie nur so ihren seelsorglichen Auftrag an den Menschen erfüllen kann. Diese These ist unmittelbar einleuchtend und triftig. Die weiteren Gründe stehen mit dieser These in gestufter Intensität in Verbindung.
Wer allerdings die Notwendigkeit überbetont, dass sich eine bestimmte, territorial (oder auch personal) eingegrenzte Gemeinde am Sonntag versammelt und Gottesdienst feiert, auch wenn keine Eucharistie möglich ist, übersieht, dass die sonntägliche Versammlung der Christen kein Selbstzweck, kein primär gemeinschaftliches Geschehen ist. Das Zusammenkommen hat ein «worum willen», das darin besteht, das Wort Gottes zu hören und an der Opferfeier der Eucharistie teilzunehmen.2
Dass Christus nicht nur auf eine Weise in seiner Kirche gegenwärtig ist – so Papst Paul VI. in seiner Enzyklika Mysterium Fidei: «[…] non unam esse rationem, qua Christus praesens adsit Ecclesiae suae» – bedeutet nicht, dass alle diese Weisen parallel zu setzen oder austauschbar wären. Daher sind die verschiedenen Gegenwartsweisen des Herrn in der Welt – etwa auch im leidenden Nächsten – im Leben der Christen in eine gestufte Ordnung des christlichen und kirchlichen Lebens zu übertragen, für die gilt, dass der Sonntag als Tag der Feier der Gegenwart des Herrn in der Eucharistie nicht zu Disposition steht. Die reale Gegenwart des Herrn im eucharistischen Opfer und in den eucharistischen Gestalten wird in Sacrosanctum Concilium hervorgehoben, weil sie wesentlich ist (Reiner Kaczynski).
Die Väter des II. Vatikanischen Konzils haben in der Konstitution Sacrosanctum Concilium die Möglichkeit von nicht-eucharistischen Feiern ohne Priester am Sonntag aus pastoralen Gründen für Notsituationen – insbesondere für sehr weitläufige Diaspora- und Missionsgebiete – eingeräumt.3 Diese Einräumung ist aber im Zusammenhang zu sehen mit der außerordentlich hohen Bedeutung, die die Väter gleichzeitig der Feier des Pascha-Mysteriums am Tag des Herrn beimessen. Die bisweilen zu lesende, jetzt im neuen Gotteslob wiederholte, pauschale und verallgemeinernde Auffassung, das Konzil empfehle Wort-Gottes-Feiern, kann sich nicht auf die Texte des Konzils stützen.4
Immer wieder wird zugunsten von Wort-Gottes-Feiern auch am Sonntag auf die Sakramentalität und Wirkmächtigkeit (Otto Semmelroth) des verkündigten Wortes Gottes, die im Umfeld des II. Vatikanischen Konzils neu gesehen wurde, verwiesen. Doch kann das Wort Gottes, das in einem Gottesdienst immer eine eingegrenzte und bestimmte Wortverkündigung ist, nicht im Sinne einer Gleichwertigkeit oder Parallelität mit der Opferfeier der Eucharistie, wenn dies auf eine Austauschbarkeit hinausliefe, in Anspruch genommen werden. Die Verkündigung des Wortes Gottes und die Opferfeier der Eucharistie sind nicht jeweils Wiederholungen des im Grunde gleichen, sie machen sich nicht gegenseitig überflüssig und treten nicht zu einander in Konkurrenz. Denn der letzte geistige Sinn der Schrift, in dem ihre Vielgestaltigkeit Einheit, Ausrichtung und Erfüllung findet, ist Christus und der Zweck seiner Menschwerdung: Er ist «die Einheit der Schrift» (Henri de Lubac). Damit ist alle Wortverkündigung, sind alle Teile der Schrift und dies in abgestufter Form, auf das Christusgeschehen und die salus hominum in Kreuz und Auferstehung hingeordnet. Das zentrale Geschehen im liturgischen Leben der Kirche ist die sakramentale Vergegenwärtigung von Kreuz und Auferstehung in der sonntäglichen Feier des Pascha-Mysteriums auf dem Altar – auf dieses sind alle anderen liturgischen Vollzüge der Kirche bezogen. Das haben die Väter des II. Vatikanischen Konzils in der Konzilskonstitution Sacrosanctum Concilium an mehreren Stellen klar herausgestellt. Jede «einzelne» Wortverkündigung ist im Hinblick auf das Ganze und Umfängliche des Wortes Gottes als historisch geschehene Offenbarung immer partiell und fragmentarisch und auf ihren letzten Sinn, auf das Erlösungsgeschehen in Kreuz und Auferstehung hingeordnet. Die Opferfeier der Eucharistie, die Kreuz und Auferstehung vergegenwärtigt, ist jedoch immer integral.
Der Sonntag als Tag des Herrn ist aus seiner Konstituierung heraus am Abend des Ostertages – der prima Sabbati – Versammlung in Gegenwart des auferstandenen Herrn, die Mahlgemeinschaft der Jünger mit dem Herrn kein primär soziales Ereignis, sie ist Erfahrung der Fülle des Heils in Christus und Ausdruck eschatologischer Freude. Die Versammlung des Sonntags ist von vornherein eucharistisch und enthält bereits in der ersten Mahlgemeinschaft des Auferstandenen mit seinen Jüngern den Ansatz zur sakramentalen Feier.5
Jede Einzelgemeinde, in der sich die eine Kirche Gottes vor Ort und konkret manifestiert, ist kein Institut eigenen Rechts, sondern immer geistige Stiftung, die eingebettet ist in das Ganze und Allgemeine der universalen Sendung der Kirche in der Welt. Kirche manifestiert sich immer im Lokalen und Besonderen, überschreitet dieses zugleich aber auf Christus hin. Das sichtbar Einheitliche und Allgemeine der Kirche ist Verweis auf die letzte Einheit aller in Christus. Liturgie und kirchliches Leben kann daher nie nur auf eine bestimmte territorial (oder auch personal) verfasste, auf «meine» Pfarrei festgelegt werden. Jede einzelne Gemeinde ist nicht für sich Kirche Gottes, sie partizipiert an der einen Kirche Gottes. Der hl. Apostel Paulus drückt dies – selbst syntaktisch durch die partizipiale Konstruktion, die er gebraucht – in seinem Brief an die Korinther gleich zu Beginn deutlich aus: Die ἐκκλησίατοῦθεοῦ, die in Korinth ist, steht in Verbindung mit allen anderen, die auch den Namen Jesu Christi anrufen (1 Kor 1, 2).
Die Kirche ist aus dem universalen Sendungsauftrag Jesu von Jerusalem aus entstanden. Jede Ortskirche, jede einzelne Pfarrei vor Ort ist nicht unabhängig von allem Anderen «gottunmittelbar», sondern steht in Gemeinschaft mit allen anderen Teilen der Kirche. Das Allgemeine und Umfängliche der Verkündigung Jesu geht zeitlich und systematisch der lokalen Verortung voraus. So notwendig und unausweichlich letztere ist, stellen alle Formen ihrer Verabsolutierung – etwa in der vielfach zu begegnenden Weigerung, in die zwei oder drei Kilometer weiter entfernte Kirche «der anderen» zu gehen, um gemeinsam mit «den anderen» Eucharistie zu feiern – eine Vernachlässigung des geistigen Charakters des Christ-Seins dar, der wesentlich Weg und Überschreitung ist. In einer solchen Haltung, die konkrete praktische Konsequenzen zeitigt, auch wenn sie bisweilen beschwerlich sein mögen, wäre mit der ebenso wahren wie schönen und oft in «Sonntagsreden» reklamierten Idee von der Verwurzelung allen kirchlichen und je persönlichen Handelns in Christus einmal Ernst gemacht.
Die Beurteilung der Frage nach der Möglichkeit von Wort-Gottes-Feiern am Sonntag nach pastoralen Gesichtspunkten muss freilich auch Aspekte miteinbeziehen, die nicht ausschließlich der «reinen Lehre» entnommen sind. Allerdings kann eine solche pastorale Beurteilung unmöglich als Ergebnis haben, dass der Sonntag als der Tag der Feier des Pascha–Mysteriums faktisch unterminiert wird. Die zahlreichen Besonderheiten und Erfordernisse, die sich aus dem realen Leben der Kirche in den Gemeinden vor Ort ergeben, erfordern gewiss große Sensibilität, worunter nicht notwendig die Klarheit in der Lehre leiden muss. Andererseits kann nicht die Rede davon sein, dass in allen Pfarreien oder Pfarreiengemeinschaften, in denen derzeit am Sonntag Wort-Gottes-Feiern gehalten werden, auch eine pastorale Notlage besteht. Es kommen auch gravierende Missbräuche vor – der Tiefpunkt der Verantwortungslosigkeit ist dabei die in manchen Pfarreien vorkommende Feier der Osternacht als Wort-Gottes-Feier. Kann man dies ernsthaft als verantwortungsvollen Umgang mit Wort-Gottes-Feiern bezeichnen?
Es obliegt daher der besonderen Natur oberhirtlicher Verantwortung und Entscheidungsvollmacht, wie und wo die Grenzen des Möglichen gezogen werden. Dabei ist das Mögliche in Fragen des Glaubens unmöglich vom Kriterium der Akzeptanz her definierbar. Eine systematische und über längere Zeiträume regelmäßige Ersetzung der sonntäglichen Eucharistie, wie sie derzeit an vielen Orten üblich ist und die oft auch in der Feierform sichtbar wird, kann dabei nicht der gangbare Weg sein. Die Einräumung der Möglichkeit von Wort-Gottes-Feiern am Sonntag muss an die Bedingung gebunden werden, dass eine echte Notsituation vorliegt und dass diese Feier weder formal die Feier der Eucharistie und den Priester ersetzt noch diese zu ersetzen beabsichtigt. Vielmehr soll die Bedeutung der Eucharistie am Sonntag umso klarer hervortreten.
Allerdings sollte dabei nüchtern und unvoreingenommen geprüft werden, ob unter realistischen Bedingungen eine Art von Wort-Gottes-Feier am Sonntag etabliert werden kann, für die gilt, dass sie augenfällig die Messfeier und die Anwesenheit des Priesters nicht ersetzt und gleichzeitig den Hunger nach der Eucharistie wach hält. Die Erfahrung lehrt, dass diese Frage eindeutig zu verneinen ist. Denn die Bedingungen, die an eine solche Feier gestellt werden müssten, sind – insbesondere nach der bisherigen Praxis über lange Jahre hinweg – faktisch nicht realisierbar.
Im Grunde ist, wenn keine Eucharistie an einem Ort möglich ist, nur eine schlichte und elementare Versammlung mit Gebet und Gesang angebracht, die denen offen steht, die nicht in der Lage sind, eine andere Kirche aufzusuchen. Alle Arten einer Formalisierung und Institutionalisierung einer solchen Versammlung laufen – ob dies ausdrücklich beabsichtigt wird oder nicht – auf eine Feier hinaus, die an die Stelle der sonntäglichen Messe tritt und diese ersetzt. Diese schlichte und elementare Versammlung muss allerdings von der Initiative der Gläubigen ausgehen und Ausdruck ihrer christlichen Reife und Verantwortung sein. Zu erwägen ist, ob nicht die eucharistische Anbetung mit Gesang und Gebet, jedoch ohne Kommunionausteilung – nach entsprechender Vorbereitung und Hinführung der Gläubigen – die Form ist, welche am allerwenigsten mit dem Wesen des Sonntags in Konflikt gerät.
Nüchtern und unvoreingenommen sollte auch die Frage erörtert werden, ob überhaupt realistische Kriterien für Wort-Gottes-Feiern nur für pastorale Notfälle und nur unter der Bedingung, dass sie nicht auch in der Feierform an die Stelle der Messe treten, erarbeitet und formuliert werden können, die nicht zu speziell gefasst sind, um für großflächige und strukturell heterogene Bistümer anwendbar zu sein. Es gibt folglich genau zwei gangbare Möglichkeiten: Die generelle Abschaffung der Wort-Gottes-Feiern am Sonntag (wie etwa in den Bistümern Regensburg, Passau und Augsburg) oder die Beibehaltung des oben beschriebenen Status quo. Die Realisierung der ersten Möglichkeit würde die klare und unmissverständliche Botschaft aussenden, dass die sonntägliche Eucharistie nicht zur Disposition steht. Für die Beibehaltung des Status quo gilt aber ohne jede Selbstillusionierung und Beschönigung, dass die Wort-Gottes-Feiern jeglicher Art, wenn sie regelmäßig und systematisch gehalten werden, faktisch im Bewusstsein der Menschen die Bedeutung der sonntäglichen Eucharistie relativieren.
In diesem Zusammenhang stellt die Kommunionfeier innerhalb einer Wort-Gottes-Feier ein ernstes Problem dar. Und dies nicht nur, weil die Gabe eines Mysteriums gereicht wird, das zuvor nicht gefeiert wurde. Denn es zeigt sich, dass bei vielen Gottesdienstbesuchern eine Fixierung auf den Empfang der Kommunion – und das ohne vorherige Feier der Eucharistie – eine ohnehin schon konsumistische, von einem Anspruchs– und Versorgungsdenken geleitete Haltung verstärkt. In Wort-Gottes-Feiern mit Kommunionausteilung verschärft sich diese ohnehin gegen alle Erfahrungen und Regeln des geistlichen Lebens verstoßende Praxis des Kommunionempfangs. So wird die Eucharistie durch die Kommunion ohne Eucharistiefeier und ohne Priester zu etwas Verfügbarem, der Sonntagsgottesdienst zu etwas, das man selbst macht. Das Geschenkhafte, Gnadenhafte, nicht Verfügbare der Erlösung durch Christus tritt in den Hintergrund oder verschwindet ganz.
Blickt man zurück auf die mittlerweile einige Jahrzehnte zurückliegende Zeit, als Wort-Gottes-Feiern, die die Messe am Sonntag ersetzen, auch in Gebieten erlaubt wurden, in denen die nächste Messe und der nächste Priester nicht dreißig, fünfzig, hundert oder mehr Kilometer entfernt sind, darf die Frage gestellt werden, warum seinerzeit notwendig der Weg der Ersetzung beschritten und aufrechterhalten werden musste. Denn der andere Weg wäre gewesen, die Zumutungen und Krisen, die das Leben der Kirche selbst zeitigte, auch die Gläubigen gewahr werden zu lassen und von ihnen größere Entschiedenheit in ihrer Glaubenspraxis abzuverlangen. Ist auszuschließen, dass die Erfahrung des Verlusts und des Mangels an Eucharistie und Priestern, das Empfinden der Lücke, nach einer Phase der Peripetie, der Suche nach den geistigen Ursachen der Krise doch zu einer Intensivierung und neuen Blüte des Glaubenslebens geführt hätte? Sind Zumutung und Entschiedenheit auch in schwierigen Zeiten nicht auch, oder vielmehr gerade Elemente des Christ-Seins?
Dass es aber möglich sein soll, den «Sinn» (Würzburger Synode) der sakramentalen Feier der Eucharistie, in der Vergegenwärtigung geschieht, auch dann zu erfüllen, wenn gerade diese sakramentale Vergegenwärtigung nicht geschieht, ist eine Täuschung. Sie bedeutet in einem ersten Schritt, dass der Sonntag von der Feier der Eucharistie gelöst wird, und in einem zweiten, dass die sakramentale Feier der Eucharistie, wenn sie gerade am Sonntag, dem Tag, an dem sie ihren Ursprung hat, nicht notwendig gefeiert werden muss, an sich obsolet ist. Wenn durch die Ermöglichung von Wort-Gottes-Feiern am Sonntag die Gegenwart des Herrn auch ohne die unbedingte Bindung des Sonntags an die sakramentale Opferfeier der Eucharistie durch den sakramental geweihten Priester, der in der Opferfeier in persona Christi handelt, «gefeiert» werden kann, dann stellt sich a fortiori die Frage, weshalb die Kirche überhaupt noch an Sakramentalität, weshalb an Eucharistie und Priestertum festhält.
Kann die Eucharistie an dem Tag, für den sie seit der ersten Begegnung der Jünger mit dem Auferstandenen steht, auch nicht sein, und geht am Sonntag «alles weiter», auch wenn regelmäßig kein Priester anwesend ist und keine Eucharistie gefeiert wird, dann wird das hier im Hintergrund stehende Grundlagenproblem klar: die Schwächung des Sinnes dafür, dass es im Glaubensleben Unersetzbares, weil es im Glauben Unbedingtes gibt.