Vor ein paar Tagen habe ich an einer Burgführung teilgenommen. Der Burgherr erzählte uns, wie man bei Umbauarbeiten in einem hell gestrichenen Saal zufällig auf ein mittelalterliches Wandfresko gestoßen war. Unterm Putz hatte es die Jahrhunderte überdauert und einige Teile können jetzt – nach vorsichtigem Freilegen – wieder in ihrer ursprünglichen Pracht bewundert werden. Es ist ein Bild, das im Kopf bleibt: Die Geschichte, alles was vor uns kam, ist immer noch da. Auch wenn es manchmal unter einer dünnen Schicht Farbe verboren ist, die erst behutsam abgetragen werden muss. Ein Blick auf die Nachrichten der Woche, in einer Welt voll Geschichte.
1 | Israel. Dass Christenverfolgung und Hass gegen Christen in Teilen der Welt leider nicht Geschichte, sondern tragische Gegenwart ist, zeigte in dieser Woche ein online geteiltes Video. Zu sehen ist eine Nonne, die in Jerusalem auf offener Straße von einem Mann angegriffen und zu Boden gestoßen wird. Christliche, aber auch zahlreiche jüdische Organisationen verurteilten den Angriff. Die Vereinigung Rabbis for Human Rights („Rabbiner für Menschenrechte“) zitierte in ihrem Statement das Buch Jesaja: „Mein Haus wird ein Haus des Gebetes für alle Völker genannt werden“ (56,7).
2 | Leipzig. Gewalt, wohin man schaut… Nach der mutmaßlichen Amokfahrt, bei der ein 33-jähriger Deutscher zwei Menschen getötet und mindestens drei schwer verletzt hat, sind Kirchen in der Leipziger Innenstadt geöffnet, um der Opfer zu gedenken. „In Momenten größten Leids wächst oft eine besondere Kraft der Solidarität“, so der evangelische Landesbischof Tobias Bilz.
3 | Hessen. Immerhin ging der Fall eines Sarges, den die Polizei im Main treibend gefunden hatte, gut aus. Die Holzkiste war offenbar für eine Trauerfeier besorgt worden, hatte aber nie eine Leiche enthalten, wie jetzt bekannt gegeben wurde.
4 | Vatikan/West Virginia. Geht der Konflikt zwischen Donald Trump und Papst Leo XIV. in die nächste Runde? Die Ernennung von Evelio Menjivar-Ayala zum Bischof von Wheeling-Charleston in West Virginia hatte weit über Amerika hinaus für Schlagzeilen gesorgt. Menjivar-Ayala stammt ursprünglich aus El Salvador und ist vor 35 Jahren illegal ins Land eingereist. Laut Medienberichten überquerte er die Grenze zwischen Mexiko und den USA versteckt im Kofferraum eines Autos. Trump, der für seine rigide Abschiebepolitik bekannt ist, dürfte mit der Personalentscheidung alles andere als glücklich sein. Zumal Menjivar-Ayala als Bischof nun einem Bundesstaat vorsteht, der als Hochburg der MAGA-Bewegung gilt.
5 | Philippinen. Der eine wird Bischof, der andere nicht. Nach „reiflicher Überlegung“ hat Gerardo Saco Jr., katholischer Priester aus Manila, seine geplante Weihe zum Bischof abgelehnt. Der 61-Jährige war vor gut einem Monat offiziell als nächster Bischof von Tagbilaran ins Gespräch gebracht worden. In einem social media-Post bat Saco um Verständnis für seinen „Rückzieher“ und wandte sich an die Gläubigen seiner Gemeinde: „Seien Sie versichert, dass ich mich weiterhin als Priester engagieren und Sie auf Ihrem Glaubensweg begleiten werde.“
6 | Internet. In Zeiten, in denen selbst Bistumsfragen in den sozialen Medien geklärt werden, scheint es für viele unvorstellbar, nicht hier aktiv zu sein. Zumindest X (früher Twitter) verzeichnete diese Woche aber wieder eine Ausstiegswelle, als mehrere teils große Accounts aus dem politisch linkeren Lager das Netzwerk verließen. Als Grund wurden zunehmendes Chaos und Desinformation auf der Plattform genannt.
7 | Weltweit. Wer weniger Zeit online verbringt, hat dafür zum Beispiel mehr Zeit, in der Bibel zu lesen. Das ist jetzt in so vielen Spachen möglich wie noch nie! Nach einer neuen Untersuchung des Weltverbands der Bibelgesellschaften gibt es Teile der Bibel seit letztem Jahr in insgesamt 4121 Sprachen und das komplette Buch in knapp 800. Ein absoluter Weltrekord, der Geschichte schreibt – jedes Jahr aufs Neue.