Der Mai trägt den wohl schönsten Beinamen aller Monate: Wonnemonat. Die Wonne (althochdeutsch wunna/wunnia) meint ein kaum in Worte zu kleidendes wohliges Gefühl und stammt etymologisch von einer westgermanischen Wurzel ab, die „Vergnügen“, „Wohlbehagen“ oder „tiefes Ausgeglichen- und Zufriedensein“ bedeutet. Sprachlich ist die „Wonne“ eng verwandt mit dem „Wunsch“ und „wohnen“; wie passend, denn behaglich soll es ja schon sein, wo man wohnt. Und dass es genügend Wohnungen im Himmel beim Vater geben wird, kann zum Vatertag im Wonnemonat Mai ja nur als wahre Wonne bezeichnet werden. In einer Zeit, in der die Sprache verhunzt wird (auch durch Verbalinjurien wie Kriegsgeheul und Feindesbeschimpfung), könnte der Vorsatz guttun, im Mai der Wonne die Ehre zu geben: „Du bist meine Wonne!“ Über diese Zusage freut sich Gott selbst im Gebet, aber gewiss auch unser Lieblingsmensch an unserer Seite, ja sogar das Rapsfeld in goldgelber Blüte – denn „die ganze Welt, Herr Jesu Christ, in deiner Urständ fröhlich ist“. Der Mai ist gekommen, welch’ eine Wonne.
Felix Evers