Dämmerung
Zum Leitartikel „Wo werden wir sein?“
Die Frage der Autorin „Wo werden wir sein, wenn wir nicht mehr sind?“ begegnet mir seit einiger Zeit sehr oft. Zuletzt am Karsamstag in Taizé, als eine Teilnehmerin unserer Gesprächsgruppe in die Gruppe fragte: „Wie stellt ihr euch eigentlich Auferstehung vor?“ Wie die Autorin schreibt, können alle Bilder nur Fragmente bleiben, aber ihnen allen liegt der Glaube an einen Gott zugrunde, der Jesus vom Tod auferweckt hat. Nur auf dieser Grundlage macht auch folgendes Tagore-Zitat Sinn, das der Taizé-Bruder in der Bibeleinführung sinngemäß zitierte und das mich sehr berührt hat: „Der Tod löscht nicht das Licht aus, er schaltet die Lampe aus, weil die Morgendämmerung beginnt.“
Veronika Burth, Offenburg
Not my Queen!
Zum Artikel „Vor allem irdisch“
Der Text hat mich stark angesprochen. In meiner Kinderzeit liebte ich die Maria, die ihren Mantel ausbreitet und mich darunter birgt, so dass mir nichts geschehen kann. Als junge Frau konnte ich mich mit ihr kaum anfreunden, denn als Vorbild (Jungfrau und Mutter) war sie für mich nicht erreichbar, weil ich beides nicht zusammen erreichen konnte. Lange blieb ich distanziert und das ätherische Wesen auf der Schlange, blass, blond und mit blauem Mantel, sprach mich gar nicht an. Jetzt im Alter habe ich einen guten Zugang zu ihr gefunden, ehrlich und geerdet. Sie war eine mutige junge Frau, die sich Gottes Wunsch gestellt und ihn bejaht hat.
Monika Scholz, Neuss
Als Christ und Priester kann ich den Schilderungen nur zustimmen, denn in Gesprächen zeigt sich immer wieder, dass heutzutage ein „nüchterner, rationaler und erfahrungsnaher Glaube“ im Umgang mit der Mutter Jesu (vor allem jungen) Menschen eine wahrhaftigere Ant-Wort-Gestalt für Glaubensfragen ist. Zur himmlisch entrückten royalen Maria sagen immer mehr demokratisch geprägte Christinnen und Christen: not my Queen! – „nicht meine Königin!“
Ferdinand Rauch, Volkmarsen
Ob in der Wissenschaft, im Leben allgemein oder eben auch in Glaubensdingen: das, was es davon gibt, ist letztlich Ergebnis von Sichtweisen, Reflexionen und Einsichten vieler Menschen über die Jahrhunderte und damit immer mehr als das, was ich davon für mich verstehe(n kann).
Manfred Weisser, Germering
In einem evangelisch-pietistischen Elternhaus sozialisiert, blieb mir in meinem Kinderglauben die katholische Marienverehrung äußerst fremd. Erst im Erwachsenenalter eröffnete mir die Lektüre der Schriften C.G. Jungs, was die Mariendogmen „jenseits ihres wortwörtlichen Konkretismus“ zu bedeuten hätten, etwa, dass durch Marias prinzipielle Jungfräulichkeit ihre „Selbständigkeit und Unabhängigkeit vom Manne“ hervorgehoben werde. Jungs Hinweis auf die „symbolische Natur bzw. Deutbarkeit“ der „Himmelskönigin“ Maria als „metaphysische Repräsentation der Frau“ veränderte meine Perspektive auf die katholische Marienverehrung. In ihr vermag ich nun eine allegorische Antwort auf die von Papst Johannes XXIII. als „Zeichen der Zeit“ benannte Frauenfrage zu erkennen und zu würdigen.
Thomas Tews, Stuttgart
Einmischen
Zum Beitrag „Unpolitisch geht nicht“
Danke für den Beitrag, dem ich nur ausdrücklich zustimmen kann. Kirche und Christen sind aufgerufen, sich in die Gesellschaft einzumischen, was Christen in der Nachfolge Jesu schon immer getan haben. Jesus gab uns den Auftrag zur Nächstenliebe. Dazu gehört es auch, für die Bedürftigen, die Armen, die Unterdrückten und Diskriminierten aufzustehen und auch politisch für sie einzustehen. So wie sich Jesus eingemischt und das Gespräch gesucht hat, so dürfen, sollen und können wir es auch.
Michael Kehr, Leipzig
Ein Geschenk
Zum Artikel „Gewissen und Liebe“
Jägerstätters Entscheidung, lieber in den Tod zu gehen, als Kriegsdienst zu leisten, hat mich immer bewegt. Ihn nun auf dem Hintergrund der Liebe seiner Frau sehen zu lernen, ist ein großes Geschenk für mich. Solche Christinnen und Christen sind es, die unsere Zeit braucht.
P. Benedikt Michels (online)