Im Jahre 1992 schenkte der Künstler Georg Baselitz der Dorfkirche in Luttrum bei Hildesheim ein Bild namens Tanz ums Kreuz, auf dem ein Gekreuzigter zu sehen ist, der kopfüber hängt. Kaum hing das Bild im Altarraum, wehrte sich die Gemeinde vehement. Es gab Drohungen gegen den Pastor. Der Künstler nahm das Bild zurück.
Baselitz malte gern Motive verkehrt herum. Sie waren eines seiner Markenzeichen – ab Mitte der 1970er-Jahre wurde er damit weltweit berühmt. Von Konventionen befreit, sollten diese Motive den Blick auf die Komposition freigeben, im künstlerischen Sinne sinnfrei. Aber auch talentfrei? Für einen Künstler sei Talent gar nicht nötig, sagte er einmal. Existenziell sei „das Anderssein“.
Herausragendes, auf seine Weise einzigartiges Talent jedoch konnte dem gebürtigen Sachsen kaum jemand absprechen. Baselitz prägte die moderne Malerei ab 1960 und galt als einer der bedeutendsten Künstler der Gegenwart. Stilbildend sind einige seiner neoexpressionistischen Gemälde mit grober Pinselführung und kräftigen Farben. Markant auch seine „Heldenbilder“ voller Verletztheit und Gebrochenheit. Am 30. April ist der Maler und Bildhauer im Alter von 88 Jahren gestorben.