Moraltheologie: Das Potenzial der Metaphern

Theologische Ethik und Moraltheologie beschäftigen sich in der Regel entweder mit Einzelproblemen, die eine Beurteilung aus ihrer Sicht nahelegen, oder mit Fragen der ethischen Theoriebildung. Der emeritierte Münchner Moraltheologe Konrad Hilpert widmet sein neuestes Buch demgegenüber einem Aspekt seines Fachs, der eher selten in den Blick gerät, nämlich der Verwendung von Metaphern und überhaupt von Bildern im Zusammenhang moralbezogener Rede. Seine Ausgangsfragen lauten: „Dienen sie bloß der rhetorischen Ausschmückung oder können sie auch eine Rolle spielen für das Erkennen? Haben sie eine Berechtigung in Argumentationen und wissenschaftlichen Texten oder stellen sie in diesen Kontexten Störfaktoren dar?“

Den Hauptteil bildet die „exemplarische Erschließung moralischer Metaphern“, in alphabetischer Anordnung von „Abwägen“ bis „Wege, Gehen und Wanderschaft“. Hilpert gelingt es, das Potenzial der einzelnen Metaphern für das Feld der Moral differenziert zu erschließen; dabei greift er auf biblische und antike Ursprünge zurück und geht auf die gegenwärtige Verwendung solcher Metaphern ein. So widmet er sich etwa der heute sehr verbreiteten Rede vom „Netz“ und vom „Vernetzen“, wobei er anmerkt, soziale Netzwerke könnten nicht einfach an die Stelle der formellen und organisierten Systeme der Unterstützung treten. Hilfreich sind etwa auch die Anmerkungen zu den Stichwörtern „Schiefe Ebene“ und „Dammbruch“ oder zu „Fordernde innere Stimme und innerer Gerichtshof“. Hier formuliert der Autor, man solle die zweifellos eindrucksvolle Metapher vom Gewissen als Stimme Gottes nicht überstrapazieren.

Das Buch wird abgerundet durch ein knapp gehaltenes Kapitel zu Auswertung und Diskussion, unter anderem durch Überlegungen zu Macht und Ohnmacht moralischer Metaphern. Hier findet sich auch der Hinweis, zu den institutionellen Orten, an denen Metaphern mit normativem Inhalt aus der Tradition und gleichzeitig eine Interpretationsgemeinschaft mit Erfahrung zur Verfügung stünden, gehörten die christlichen Kirchen. Mit diesem Pfund sorgfältig und kommunikativ zu wuchern, dürfte eine lohnende Aufgabe für Kirche und Theologie heute sein. Ulrich Ruh

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Konrad Hilpert

Verlag Karl Alber, Baden-Baden 2026, 164 S., 24,00 € (D)