Dramatisch
Zum Kommentar „Die Freiheit der Person“
Über 100 Jahre nach Entstehung der Katholischen Soziallehre stellt sich die Menschheitsfrage noch viel dramatischer. Hier braucht es einen neuen Wurf im globalen Kontext. Und auf diesem Feld wird die westliche Denktradition besonders aus dem Osten und in Afrika in Frage gestellt: Das Verhältnis von Individuum und Kollektiv kommt auf den Prüfstand. Ist das starre Prinzip der Nationalstaaten zukunftsfähig?
Engelhard Troll, Kirchweidach
Das Zitat von Papst Leo XIV. zum Subsidiaritätsprinzip: „Diese Verantwortung des Einzelnen beginnt bei sich selbst und wird zur Mitverantwortung für die Angehörigen, für die Gemeinschaft und für das Gemeinwohl.“ Dem muss auch die Kirche entsprechen, wenn sie ihren Auftrag erfüllen will. Die Problematik wird bei der Zusammenlegung der Gemeinden deutlich. Je größer der Gesamtkomplex wird, umso bedeutsamer werden die kleinen Einheiten, in denen sich die Verantwortung für das Ganze entfalten kann.
Walter Bauer (online)
Realitäten
Zum Interview „In jüngster Zeit fehlt ein realistischer Blick“
Das Gespräch mit Bruno Kahl zeigt und eröffnet einen – auch vor dem Hintergrund seines beruflichen Werdegangs – wohltuenden Blick auf die Realitäten, der vom Interviewer klug in Szene gesetzt wird. Vielen Dank dafür!
Jürgen Drewes, Kall
Ja, ich stimme zu, in letzter Zeit fehlt der realistische Blick! – Aber nicht beim Papst, sondern auf Seiten der Kriegsbefürworter. So wie die Fortführung und weitere Unterstützung der grauenhaften Schlächterei begründet wird, will das zwar ethisch klingen. Dieses vorgeblich moralische Handeln schafft aber eine grausame Realität. Ein realistischer Blick sieht, dass diese Politik seit über vier Jahren nur Tod und Verderben für zigtausende von Menschen gebracht hat. Sinnlos. Und soll so weitergehen? Sollen noch mal 70 Milliarden Euro das Blatt wenden? Oder 100 Milliarden Euro für die Aufrüstung?
Klaus Noichl, Oberstdorf
Ich persönlich bin froh, dass Papst Leo den sogenannten Realismus ablehnt. „Schwerter zu Pflugscharen“ ist keine Endzeitvision, sondern hier auf Erden von uns Menschen anzustreben. Dies ist unsere Aufgabe! Es ist Zeit, dass mehr in soziale Verteidigung investiert wird. In den Schulen und Jugendverbänden sollte mehr zu diplomatischer Haltung und Konfliktlösung gelernt werden. Abschreckung funktioniert einfach nicht.
Monika Graef, Würzburg
Das Interview ist das Beste, was wir in letzter Zeit zum Thema Bundeswehr-Nachrüstung und Ukrainekrieg gelesen haben. Dem ist nichts hinzuzufügen! Wir wünschen uns, dass diese Erkenntnis in breiten Kirchenkreisen vernommen wird. Uns fällt dazu nur ein Sprichwort ein: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem ... Nachbarn nicht gefällt.“
Brigitte und Josef Graßer, Vilsheim
Unwürdig
Zum Artikel „Die Tische, die uns einen“
Vor dem Hinweis aus 1 Kor 11 betont Paulus in 1 Kor 5,11, auch mit einem, der sich Christ nennt, aber in schwerer Sünde lebt, keine Gemeinschaft im Abendmahl zu haben. In 1 Kor 11,26f., eine Stelle, die der Autor zitiert, aber übergeht, wird das Mahl für den unwürdig Teilnehmenden zum Gericht, und das ist mehr, als nur aufeinander zu warten. Die Selbstprüfung wird zum Ausschlusskriterium der Feier. Nach Titus 3,9ff. kann es keine Tischgemeinschaft mit jemandem geben, der in fundamentalen Wahrheiten nicht mit der Gemeinde eins ist. Eine Einladung der Kirche kommt an dem Kernruf Jesu nicht vorbei: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!
Michael Rudolf (online)
Wer salbt?
Zum Beitrag „Öl der Zärtlichkeit“
Theologisch und menschlich ist der Text überzeugend. Unerwähnt bleibt das Defizit: Wer Menschen lange begleitet – wie es zum Beispiel im Hospizdienst oder in der Seelsorge vielfach Frauen tun – und nicht Priester ist, darf nicht salben. Die Bindung dieses Sakraments an Weiheamt und Beichte wäre neu zu bedenken. Brauchen Trost und Zärtlichkeit Gottes das Weiheamt und kirchliches Gesetzbuch?
Beate Limberger, Herbrechtingen