Soldatinnen und Soldaten in Tarnuniform haben sich beim Gottesdienst zum Gebet erhoben. Die Liederbücher liegen auf den provisorisch aufgestellten Sitzbänken parat. Dienst an der Waffe und Glaube, passt das zusammen? Eine Predigt unter freiem Himmel – vielleicht gar über das Prophetenwort von den Schwertern, die zu Pflugscharen werden (vgl. Jes 2,4), oder das Jesuswort „Alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen“ (Mt 26,52) – und dann geht es zurück zur Übung oder in den echten Einsatz mit scharfer Munition. Ob Christen Kriege führen dürfen, ob es sogar christlich geboten sein kann, sich einem Feind bewaffnet entgegenzustellen, wurde in der Kirchengeschichte schon früh und lange diskutiert. Eine endgültige, allgemein anerkannte Lösung gibt es bis heute nicht – und wird es wohl auch nie geben.
In dieser Ausgabe begegnen wir einem Menschen, der die Antwort für sich gefunden zu haben glaubte und dann Jahrzehnte später doch umschwenkte. Der Pädagoge und Theologe Michael Brinkhoff hat seine Kriegsdienstverweigerung von einst offiziell zurückgenommen und sich die Bundeswehr von innen angesehen. Er spricht mit uns über seine Erfahrungen in Uniform und die Gründe für sein Umdenken. Annette Jantzen beleuchtet in ihrer Reihe „Glaubensworte, weiblich“ die Darstellungen eines wütenden, kampfbereiten Gottes in biblischen Texten und stellt fest, dass Bilder, die uns heute am fremdesten wirken, manchmal direkt mit Geschlechterstereotypen brechen. Und unsere Autorin Gabi Renneke fühlt sich in einem zunehmend militarisierten Klima an ihre Kindheit im Kalten Krieg erinnert und beschäftigt sich mit der Frage, warum manche Begriffe in Militär und Kirche gleiche etymologische Wurzeln haben. Wir wünschen Ihnen inspirierende Lektüre – und Gottes Frieden!