Die Bibel jubelt – und wir?

Das Motiv der Freude im Alten und Neuen Testament.

In der Bibel wird gefeiert, getanzt, gejubelt und geklatscht. Diesen und weiteren Facetten der Freude im Alten und Neuen Testament geht die Theologin Anna Kraml nach. Die Bibel, so sagt sie, ist auch ein „Buch der Freude“. Es erzählt vom Leben, den Menschen und ihren Gefühlen – eben auch von der Freude. Mehr als 300 Mal wird sie im Alten und über 100 Mal im Neuen Testament ausdrücklich thematisiert.

Ähnlich wie die Liebe ist die Freude aus Sicht der Bibel „Gnadenerfahrung“ und „Widerfahrnis“, erklärt Kraml, die als Religionslehrerin und Referentin für Bibelpastoral der Diözese Innsbruck arbeitet. Die Freude hat man nicht in der Hand. Sie ist unverfügbar, lässt sich nicht einmal immer in Worte fassen. „Sie ist fragil, zerbrechlich und gleichzeitig beinhaltet sie eine unglaubliche Stärke.“ Kraml verknüpft in ihrem Buch kurzweilig und tiefsinnig neue Erkenntnisse aus der Exegese mit persönlichen Erfahrungen. Die Verse der biblischen Bücher werden dadurch lebensnah.

Wie kein anderes biblisches Buch widmet sich Kohelet der Lebensfreude. Gleichzeitig ist die Botschaft eindrücklich: „Alles ist Windhauch“ – und somit vergänglich. Kraml leitet daraus die Aufforderung ab, Momente der Freude aktiv wahrzunehmen: „Und ich pries die Freude, weil es unter der Sonne nichts Besseres für den Menschen gibt, als zu essen, zu trinken und sich zu freuen“ (Koh 8,15). Auf der anderen Seite lege die Bibel nahe, „sich auch eine gewisse Gelassenheit anzueignen“. So verstanden bedeutet Freude „keine kurze Bedürfnisbefriedigung, kein kurzer Moment des Genusses, sondern etwas Dauerhaftes, eine Haltung, die das Leben erfasst.“

Gerade auch die Psalmen führen laut Kraml vor Augen, dass wir unsere Gefühle mitteilen dürfen. „Es sind Gebete, Lieder, die sich an einen personalen Gott richten, an einen Gott, den man ansprechen kann.“ Gleichzeitig vermitteln Psalmen auch die Botschaft, dass aus Trauer wieder Freude entstehen kann. „Wir dürfen uns an diesem Leben freuen, weil es von Gott geschenkt ist.“

Die Autorin möchte, dass Freude in der modernen Theologie und Kirche einen größeren Stellenwert bekommt. Es soll aber nicht nur darüber gesprochen werden, hofft sie. „Freude lässt sich nicht nur in den Texten finden, sie wird durch die Texte auch bei den Lesenden ausgelöst.“

Anzeige: Ich habe dich geliebt. Dilexi te – Über die Liebe zu den Armen. Das erste Lehrschreiben des Papstes
CIG Ausgaben

Christ in der Gegenwart im Abo

Unsere Wochenzeitschrift bietet Ihnen Nachrichten und Berichte über aktuelle Ereignisse aus christlicher Perspektive, Analysen geistiger, politischer und religiöser Entwicklungen sowie Anregungen für ein modernes christliches Leben.

Zum Kennenlernen: 4 Wochen gratis

Jetzt gratis testen
Die Bibel jubelt – und wir?
Kraml, Anna

Tyrolia, Innsbruck 2025, 136 Seiten, 18 €