Weiter Horizont
Zum Beitrag „Leben aus Dankbarkeit“
Das Porträt des hundertjährigen Benediktiners David Steindl-Rast hat mich zutiefst berührt. Vom Staunen über das Dasein und aus gelebter Dankbarkeit schlägt er Brücken zu verschiedenen Traditionen und öffnet unseren Horizont zum unfassbaren Geheimnis unseres Menschseins.
Dr. Klaus Beurle, Würzburg
Was hilft?
Zum Kommentar „Vom hohen Ross“
Mit dem Kommentar zur kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit bin ich sehr unzufrieden. Die zur Verfügung stehende halbe Seite reicht für eine pauschale Be- und Verurteilung der Arbeit von Misereor und damit auch von „Brot für die Welt“ und anderen, nicht-kirchlichen Trägern. Das Engagement dieser Hilfswerke gegenüber den Partnern in den Ländern des Südens als „paternalistisch“ abzuqualifizieren, widerspricht meiner Wahrnehmung. Ich erlebe seit vielen Jahren eine hohe Wertschätzung der Kompetenz der jeweiligen Projektpartner, deren Arbeit gefördert wird.
Elfriede Küpper, Aachen
Der Artikel verdreht die Wirklichkeit, wenn er Misereor wegen seiner „romantischen Vorstellung“ kritisiert und die Agrarindustrie lobt. Beispiel Brasilien: Die Agrarindustrie dehnt ihre Gebiete aus, ist verantwortlich für den Abbau des Amazonasurwaldes und der Savannengebiete und verstreut mit Flugzeugen Agrargifte, die in Europa wegen ihrer Gefährlichkeit verboten sind. Sie besitzt 75 Prozent des Landes, trägt aber nur 25 Prozent für die Ernährung der Menschen vor Ort bei.
Dr. Ferdinand Kerstiens, Marl
Der Wandel in der kirchlichen Missions- und Entwicklungsarbeit bei Misereor in den letzten Jahrzehnten war fundamental, Hilfe zur Selbsthilfe stand schon lange im Zentrum. Ich selbst war bei den Missionsbenediktinern. Mit den Menschen in die Zusammenarbeit zu gehen anstelle von außen etwas überzustülpen war schon lange Maßstab. Zahlreiche erfolgreiche Projekte geben den Menschen vor Ort eine Zukunft. Letztlich ist es nicht neu, dass der Hunger ein Ver-Teilungsproblem ist.
Engelhard Troll, Kirchweidach
Die Gegenüberstellung von staatlichem Engagement als paternalistisch gegen privatem Engagement als Hilfe zur Selbsthilfe geht an der Realität vorbei. Auch Private können „von oben herab“ reden, und staatliche Akteure können sehr wohl staatliche Gelder so einsetzen, dass sie Eigenverantwortung stärken, nicht schwächen. Angesichts der Tatsache, dass die aktuelle Hitzewelle uns hautnah spüren lässt, wohin die industrialisierte (Land-)Wirtschaft uns geführt hat, braucht es schon einiges, um zu behaupten, „nur diese“ sei in der Lage, in der Welt den Hunger zu besiegen.
Daniel Kosch, Zürich
Das Problem ist schon seit Jahrzehnten nicht etwa zu wenig, sondern zu viel und vor allem falsche Entwicklungshilfe. Sie versucht europäische Modelle und Narrative in Gesellschaften zu implementieren, deren Traditionen, Vorstellungen von der Organisation sozialer Gemeinschaften, Gesellschaftsordnungen und Menschenbilder mit westlichen Vorstellungen schlicht inkompatibel sind. Zumindest für Afrika wäre es womöglich das Beste, man stellte die sogenannte Entwicklungshilfe vollständig ein und überließe den Gang der Dinge denjenigen, die als Einzige wirklich kompetent sind, über ihre Belange zu entscheiden: den Einheimischen.
Michael Pfläging (online)
Dank und Kompliment für die Courage, mit dem Beitrag den selbstgefälligen innerkirchlichen Mainstream argumentativ schlüssig bloßzustellen, der Barmherzigkeit mit Gewissen ruhigstellender Gönnerhaftigkeit verwechselt, statt Eigenverantwortung und Wirtschaftlichkeitsdenken zu fördern. Das Gleichnis vom Umgang mit den eigenen Talenten (vgl. Mt 25,14) gibt dem Autor recht.
Dr. Karl-Josef Schmidt, Frankfurt a. M.
Hochmut...
Zum Artikel „Vom Tellerwäscher zum Gott“
Ich lese aus dem Text die Hybris, die Vermessenheit und den Hochmut, sich angesichts militärischer Stärke und technischer Möglichkeiten Gott gleich zu wähnen oder Gott zum Garanten der eigenen Überheblichkeit zu machen. Haben davor nicht schon die alten Griechen gewarnt? Zum 250. Jubiläum der Unabhängigkeit der USA wäre nicht nur Jubel angesagt, sondern auch radikales Umdenken.
Karl Schlegel, Unterdietfurt