Junge Menschen schreiben Textnachrichten, nehmen Sprachbotschaften auf und verschicken vielleicht mal eine Mail. Echte Briefe – womöglich sogar handgeschrieben – sind nicht mehr in Mode. Nicht wenige finden das schade: So ein echter Brief ist eben doch nochmal etwas anderes als eine Nachricht auf dem Smartphone, die in wenigen Sekunden geschrieben und ebenso schnell wieder vergessen ist. In den USA bildet sich gerade ein Geschäftsmodell um die „Marktlücke“ analoge Post. Junge Menschen können für einige Dollar im Monat eine Brieffreundschaft mit „professionellen Briefschreibern“ aufnehmen. Der Name des Dienstes: snail mail – „Schneckenpost“.
Was zuerst nach einem lustigen Trend klingt, kann auch nachdenklich machen. Immerhin gibt es inzwischen eine ganze Industrie, die mit Einsamkeit Geld verdient. Ist es gut fürs soziale Zusammenleben, wenn Menschen das Gefühl haben, dass auch eine (Brief-)Freundschaft nur ein zahlungspflichtiger Dienst ist, den man jederzeit abbestellen kann? Vielleicht ist diese Nachricht eine gute Gelegenheit, selbst mal wieder einen Brief zu schreiben und ihn per „Schneckenpost“ auf die Reise zu schicken. Ganz unentgeltlich.