Monatsspruch August 2026: Johannes 10,10:
Jesus Christus spricht: Ich bin gekommen, dass sie das Leben haben und sie es in Fülle haben.
Als ob wir nicht in Fülle gelebt hätten. Jedenfalls in dem, was wir Fülle nennen. Nicht aus einem „Füllhorn“, das die Mythen und Sagen vieler Kulturen kennen. Sie wissen schon: Gefüllt mit den schönsten und kostbarsten Dingen. Luxus, der nie ausgeht. Verschwenderischer Überfluss, der immer weiter nachkommt.
Aber irgendwie haben wir schon so gelebt. Meine Generation zumindest. Verschwendung, als ob eine zweite Erde nachwachsen könnte. Autofahren und Fliegen, als ob Rohstoffe unendlich vorhanden sind. Ewiges Wachstum, das sich nicht am Leben misst, sondern an Profiten und Kennzahlen. Ja, Fülle kenne ich.
Und erst als diese Fülle Begehrlichkeiten weckte und der Ruf nach einer global gerechten Welt aufkam, haben wir es gemerkt. Dass unsere Fülle sich aus der Armut der Länder in Afrika gespeist hat.
Und erst jetzt, da unsere Sicherheiten dahin sind durch Kriege, die uns plötzlich wieder betreffen, wird die Fülle uns fraglich. Und jetzt, da andere etwas von dem Kuchen abbekommen wollen, ist das Entsetzen groß. Man wollte doch jedes einzelne Stück für sich behalten.
Ein paar Krumen aus dem Füllhorn gern in die Entwicklungshilfe. Aber auch das nur solange es an anderer Stelle nicht fehlte.
Jede materielle Fülle in unserer Welt scheitert auf lange Sicht schon daran, dass die Ressourcen begrenzt sind. Und dass sie an immer mehr Menschen verteilt werden müssen, wenn man eine gerechte Verteilung möchte.
Jesus meint mit „Fülle“ sicher nicht das Höher, Schneller, Weiter, Besser in unserem gesellschaftlichen System. Für ihn geht es um das, was hinter dem schönen Schein des Überflusses zum Vorschein kommt: Das nackte Leben – „Leben in Fülle“. Das, was die Grundlage für jede Gestaltung der Welt bildet – wo wir trotz Reichtum und Gesättigtsein an unseren zerbrechenden Beziehungen leiden und Trost suchen. Wo kein Geld der Welt den Vater oder die Mutter wiederbringen kann, um die wir trauern. Wo wir einen brauchen, der mit uns weint, wenn wir traurig sind. Und eine, die für uns da ist, wenn das Leben einsam zu werden droht.
Was wir in unserer Gesellschaft jetzt merken, bildet das ab. Die Sicherheit und der Überfluss sind abhandengekommen. Und sie können nicht einmal mehr ansatzweise überdecken, was dahinter durchscheint: Den Wunsch nach einem erfüllten Leben. Voller Trost und Zufriedenheit.
Gefüllt mit Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit. Mit Menschenliebe und Toleranz. Und das ist harte Arbeit. Denn wir sind anders aufgewachsen.
Vielleicht sollten wir doch wieder einmal mehr auf das schauen, was Jesus und mit ihm viele andere vorgelebt haben. Und so leben, wie Gott es sich von Anfang an vorgestellt hat.